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TIPPS FÜR DIE MOTIVATION

Motivation für Hochleistung
 
Von Jay Cutler Vize-Mr. Olympia 2001
Fotos: Chris Lund
 
Der Erfolg im Bodybuilding besteht nicht nur aus Training und Ernährung. Das wichtigste Element ist wesentlich schwerer zu fassen und zu planen: die Motivation. Was treibt einen dazu an, sich im Sportstudio täglich abzurackern und sich mit Gewichten zu plagen, deren Anblick allein schon schmerzhaft ist? Manche sagen, es ist der Kämpferinstinkt oder die Veranlagung, aber damit ist es in meinem Fall nicht getan.
Meine Veranlagung prädestiniert mich für Bodybuilding, das ist richtig. Aber darüber hinaus brennt ein Feuer in mir, das nicht meinem Wunsch nach Ruhm und materiellem Reichtum oder dem Verlangen, der Beste im Profi-Bodybuilding zu sein, entspringt. Der Grundpfeiler meiner Motivation und Hartnäckigkeit ist Selbstachtung. Für mich ist es wichtig, am Ende des Tages zu wissen, dass ich die mir zur Verfügung stehenden Mittel nach besten Kräften genützt habe und mein Bestes gab. Mit dieser Einstellung ist mein härtester Konkurrent der innere Schweinehund.
Ich trete nicht gegen Ronnie Coleman, Kevin Levrone, Chris Cormier oder einen anderen Profi-Bodybuilder an. Jeder Topp-Athlet hat sein eigenes ästhetisches Potenzial und es ist unsere Aufgabe, diesem Potenzial so nahe wie möglich zu kommen. Wäre ich davon besessen, eine Figur wie Ronnie Coleman aufzubauen, würde ich nur Energie verschwenden, die besser darin investiert ist, meinen eigenen Körpertyp zu perfektionieren. Daher ist mein Ziel, aus meinem Körpertyp das Meiste zu machen.
Man kann die besten Athleten in diesem Sport nur dann schlagen, wenn man sich konstant verbessert und niemals mit dem Status quo zufrieden gibt. Stillstand bedeutet Rückschritt, denn die anderen bleiben nicht stehen. Ich hatte schon eine gewisse Vorstellung, wie die ideale Figur aussehen sollte, aber auch dieses Idealbild verändert und verbessert sich im Lauf der Zeit. Je höher ich das Ideal stecke, desto motivierter werde ich. Wenn ich einen Blick in den Spiegel werfe und sehe, wie das Training und die Disziplin sich auszahlen, bin ich noch mehr motiviert.
Im Gegensatz dazu stehen Tage, an denen man sich nicht ordentlich ernährt oder wenig Energie hat. An diesen Tagen wacht man müde auf und würde am liebsten im Bett bleiben. Das Selbstwertgefühl ist am unteren Ende der Skala angelangt und man macht keine Fortschritte.
Für mich hat die Ernährung eine besonders wichtige Funktion für die Motivation. Wenn ich mich gesund ernähre, fühle ich mich körperlich und seelisch besser. Der Spruch „man ist, was man isst" trifft in meinem Fall den Nagel auf den Kopf. Ich werde oft gefragt, wie ich mich so schnell so stark verbessern konnte - meiner Meinung nach verdanke ich es zu 90 Prozent meiner Ernährung. Es dauerte lange, bis sich heraus fand, was mein Körper braucht und verträgt. Ich bin überzeugt, dass man nahezu alles essen kann, solange man gesättigte Fettsäuren vermeidet.
Ein wichtiger Pfeiler des Erfolgs ist Unterstützung und Feedback. In meinem Fall sind es die Fans, die mir Energie und Motivation geben. Die Briefe und Emails, die ich täglich erhalte, bedeuten mir sehr viel. Wie jeder andere Athlet freue ich mich natürlich über Komplimente und positive Berichte in den Bodybuilding-Zeitschriften. Als Jugendlicher habe ich immer davon geträumt, dass ich eines Tages einmal mein Foto auf einer Bodybuilding-Zeitschrift sehen würde. Mittlerweile hat fast jede Bodybuilding-Zeitschrift, die ich lese, ein paar Bilder von mir.
Natürlich hat man seine Höhen und Tiefen, besonders wenn man an Wettkämpfen teilnimmt, aber ich hole mir dann Motivation, indem ich alte Ausgaben der FLEX oder Muscle & Fitness lese oder Videos anschaue und mir meine Fortschritte über die letzten Jahre vor Augen halte. Es ist unglaublich, denn ich habe weder mein Training noch meine Ernährung stark geändert. Trotzdem konnte ich mich schneller verbessern als früher.
Aber ich bin auch hartnäckiger als früher. Meine Beständigkeit hat mir geholfen, auf das nächsthöhere Niveau zu kommen. Jetzt weiß ich auch, dass ich es noch weiter bringen kann. Das ist ein beruhigender Gedanke für mich, denn ich mag Änderungen nicht so gerne. Meiner Meinung nach sollte man sich an die Methode halten, die einem dabei half, ein bestimmtes Ziel zu erreichen.
Um bei der nächsten Trainingseinheit die optimale Trainingsintensität zu erzielen, stelle ich mir das Training vor meinem geistigen Auge vor. Sobald mein momentanes Training zu Ende ist, beschäftige ich mich in Gedanken schon mit der nächsten Trainingseinheit. Gleichzeitig ist auch meine Ernährungsplanung so ausgelegt, dass ich sofort nach dem Training anfange, für das nächste Training zu essen. Die Energie für das Training morgen kommt schließlich von der Nahrung, die ich heute zu mir nehme.
Wenn ich im Training an einen toten Punk komme, stehen mir verschiedene Lösungsansätze zur Verfügung. So kann es helfen, wenn ich in einem anderen Sportstudio trainiere, wo die Atmosphäre anders ist, bis ich wieder Fortschritte verzeichne. Oder ich ändere die Trainingszeit. Vielleicht teile ich auch mein Training anders ein oder ich trainiere zeitweise mit einem Trainingspartner. Allerdings sind all diese Änderungen nur selten nötig.
Manchmal habe ich den Eindruck, dass eine gewisse Selbstzufriedenheit sich breit macht. Wenn dies der Fall ist, hinterfrage ich meine Ausdauer, indem ich mir selbst die Frage stelle, wie viel mir der Sport wirklich bedeutet. Dann lege ich z.B. eine Trainingseinheit mitten in der Nacht ein - anstelle meines morgendlichen Trainings -, nur um mich selbst zu überzeugen, dass ich noch mit voller Hingabe dabei bin. Ich gehe meiner Motivation auf den Grund, indem ich versuche, mich selbst heraus zu fordern. Manchmal erhöhe ich auch den Trainingsumfang, aber nur nachdem ich die Kalorienzufuhr zuvor erhöht habe.
In der Wettkampfvorbereitung nähert sich meine Trainingsintensität dem Wahn. In der Regel gehe ich um 19:00 Uhr ins Bett und stehe in der Früh um 4:00 auf. Für mich ist allein das Wissen, dass ich mit dem Training fertig bin, bevor die meisten Bodybuilder aufstehen, ein super Gefühl. Profi-Bodybuilder müssen sich nicht an eine Stechuhr halten, aber jeder Tag unterliegt trotzdem genauer Planung, damit alles erledigt wird. Wenn ich alles nach Plan erledigt habe, fühle ich mich besser. Es macht mir auch nichts aus, wenn ich viermal am Tag trainiere, denn es ist schließlich mein Job. Ich bin bereit alles zu tun, was mir hilft, mich zu verbessern.
 
Volle Kraft voraus
1. Falls es Ihr Tagesablauf erlaubt, sollten Sie Ihr Training auf zwei, drei oder sogar vier Trainingseinheiten pro Tag aufteilen. So kann man bei jeder Trainingseinheit mit maximaler Intensität an die Sache gehen.
2. Die erste Übung sollte bei jedem Training eine Grundübung sein, die viel Kraft erfordert. Auf diese Weise bringt man die schwerste Übung hinter sich, solange man noch Kraft hat. Die schweren Gewichte beflügeln das Selbstvertrauen und das Muskelwachstum.
3. Selbstvertrauen kann man am besten aufbauen, wenn man möglichst oft Kurz- und Langhanteln verwendet. Nur mit Hanteln kann man sicher gehen, dass man selbst die Leistung erbringt, nicht die Maschinen. Trainiert man dagegen vor allem mit Maschinen, Kabelzug und Pulley, besteht die Gefahr, dass man unbewusst seine Leistungen den Geräten zuschreibt und nicht seiner Muskulatur.
 
Explosive Bewegungen!
Nachdem man das Gewicht abgesenkt hat, ist es wichtig, die Bewegung aus dem unteren Endpunkt explosiv zu beschleunigen. Schnelle Beschleunigung motiviert mich dazu mehr und schwerere Wiederholungen zu machen. Die anfängliche Beschleunigung sorgt dafür, dass auch die tieferen Muskelfasern stimuliert werden. Ich kann es regelrecht fühlen, wie die innersten Muskelfasern angespannt werden.
Üben Sie explosiv-dynamische Wiederholungen, aber achten Sie gleichzeitig auf die korrekte Ausführung. Je mehr Gewicht man verwendet und je schneller man trainiert, desto wichtiger ist die präzise Ausführung. Gehen Sie bei jeder Wiederholung durch den gesamten Bewegungsradius. Vermeiden Sie es, das Gewicht fallen zu lassen - die Abwärtsbewegung sollte langsam sein -, nur die Aufwärtsbewegung ist explosiv-dynamisch. Schwungholen ist dabei ebenfalls nicht erlaubt, denn dies führt nur dazu, dass andere Muskelgruppen und die Sehnen und Bänder das Gewicht abfedern müssen.

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Jay Cutler zeigt motivation





DIE HARDCORE-BODYBUILDING ZEITSCHRIFT NR. 1



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