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DER DOMINIKANISCHE DOMINATOR

Acht Kilo mehr Muskelmasse verhalfen ihn zu seinem ersten Sieg im Profilager
 
VON SHAWN PERINE
Sobald der Teilnehmer mit der Startnummer 10 auf der Bühne erschien, war der Kampf um den ersten Platz beendet. Für die meisten Zuschauer war klar, was passiert war. Auch die meisten der 41 Teilnehmer wussten es. Und Victor Martinez wusste es.
Victor Martinez machte auf nationaler Ebene erstmals im Jahr 2000 auf sich aufmerksam, als er die Nachwuchs-U.S. Meisterschaft und kurz darauf die Amerikanische Meisterschaft gewann. Dank seiner harmonischen und definierten Muskelentwicklung hat er gute Chance in diesem Sport. Aber nach seinem Sieg bei den Amateuren wurde vermutet, dass er nicht die nötige Masse hätte, um bei den Profis mithalten zu können. Bei einer Größe von 1,77 m und einem Gewicht von 101 kg war Victor nicht gerade dünn.
Schließlich war er bei den Amateuren in der Schwergewichtsklasse angetreten. Aber dennoch hieß es, dass er mehr Masse bräuchte, wenn er sich unter den Profis ernste Chancen ausrechnen wollte.
Also ließ er sich Zeit und baute die nötige Masse auf. In der Zwischenzeit hatte er sich mehrfach unter den Profis versucht, aber der Erfolg blieb aus. Bei der Night of Champions stand jedoch eine neue und bessere Version auf der Bühne. Diesmal war er bereit, bei den besten im Sport mitzuhalten. Sobald er auf der Bühne erschien, war es klar, dass sich einiges getan hatte. Seine massiven Schultern, Arme und der Rücken sprangen ins Auge. Er hatte es geschafft, sich in einen Giganten zu verwandeln und war nun bereit für den Kampf.
Bei allen Vergleichen wurde er neben den besten Athleten in diesem Sport gestellt. Art Atwood, King Kamali und Craig Titus standen neben ihm auf der Bühne - allesamt Athleten, die mit mehr als 115 kg Wettkampfgewicht antreten. Atwood stand sogar mit 126 kg auf der Bühne, aber dennoch gelang es dem
109 kg schweren Victor sich zu behaupten. Bei den Pflichtposen schien sich seine Muskulatur regelrecht auszuweiten und anzuschwellen. Bis auf seine Taille, die nach wie vor schmal war. Seine Mittelpartie schien nicht unter dem Masseaufbau gelitten zu haben. Im Gegenteil, es schien sogar, dass er härter und besser definiert als in der Vergangenheit war. Seine Bauchentwicklung formte das Zentrum seines Körpers und strahlte nach allen Seiten. Trotz der Tatsache, dass im heutigen Bodybuilding Masse wichtiger ist als andere Kriterien, ging Victor Martinez ein erhebliches Risiko ein. Victor baute Masse auf, aber auf eine Art und Weise, die seine Gesamterscheinung verbesserte.
Der Chef
Im Victor's Gym ist ernstes Training angesagt. Die Ausstattung ist farbenfroh und anregend: Die Maschinen sind rot und blau, die Wände gelb und die Musik könnte aus einer Disco stammen. Trotzdem kann man sich nicht dem Eindruck erwehren, dass hier jeder mit gezielter Aufmerksamkeit ans Werk geht. Das Studio ist in einer großen Halle untergebracht, die einem Flugzeughangar gleicht. Die Trainingsgeräte sind vom Besten und wurden aufgrund ihrer Funktionalität von Victor ausgewählt. Die Maschinen sind nach Muskelgruppen geordnet und es besteht genügend Platz zwischen den Geräten. Um die Übungsausführung überwachen zu können, ist eine Reihe von Spiegeln angebracht. Victors Gym ist ein Sportstudio für ernstes Training, aber man nimmt sich selbst dort nicht allzu ernst.
Als ich im Sportstudio ein paar Tage nach der Night of Champions ankomme, spricht Victor gerade mit einem Vertreter. Während der Vertreter seine Ware anpreist, gleitet sein Blick hin und wieder zur Decke, wo sich ein Wandgemälde des Planten Jupiters aus der Perspektive eines seiner Monde befindet - direkt über der Bar.
In diesem Moment kommt der Arbeiter in den Raum, der gerade ein Schild vor dem Studio befestigte und stellt eine Frage. Victor beantwortet die Frage, beendet freundlich das Gespräch mit dem Vertreter und wendet sich dann zu mir, um mich zu begrüßen. Ich dachte, er hätte mich nicht einmal bemerkt, aber Victor ist sich wohl bewusst, was um ihn herum vorgeht.
Der 29-jährige Athlet hat in seinem Leben schon viel erreicht. Er hat zwei Söhne, gerade ein Sportstudio eröffnet und die Night of Champions gewonnen. Das war nicht leicht. Es wurde ihm nichts geschenkt. Oft musste er große Schwierigkeiten überwinden, bevor er die Früchte seiner Arbeit genießen konnte. Vielleicht hat ihn das zu einem ernsten Mann gemacht. Vielleicht war es aber auch seine Ernsthaftigkeit, die es ihm erlaubte, diese Schwierigkeiten zu überwinden. Mein Ziel war es jedoch - und deshalb hatte ich eine halbe Stunde in der U-Bahn verbracht - herauszufinden, wie Victor es geschafft hat, so viel Masse aufzupacken.
"Ich trainiere gerne mit schweren Gewichten", meinte er. "Als ich mit dem Training anfing, stand Kraftdreikampf im Mittelpunkt. Ich wollte einfach viel Gewicht heben können, damit ich den anderen davon erzählen konnte. Daher ging es mir am Anfang nur um die schweren Gewichte und weniger darum, wie ein Bodybuilder auszusehen. Aber auch heute noch stehe ich auf schweres Training. Es fühlt sich einfach nicht wie ein Training an, wenn ich nicht mit schweren Gewichten arbeite.
Von Anfang war es für mich wichtig, alle Übungen korrekt auszuführen. Ich schaute mir Arnold Schwarzeneggers Pumping Iron Video an, und ich beobachtete die erfahrenen Athleten im Sportstudio und achtete darauf, wie sie trainierten.
Dann stellte ich mir mein eigenes Training vor. Wenn ich Athleten sah, die schnelle, halbe Wiederholungen machten, wurde mir schnell klar, dass das nicht gut sein konnte. Ich wusste, dass das nichts bringt, denn Arnold senkte die Hantel immer ganz ab und hob dann das Gewicht wieder ganz auf. So lernte ich von Anfang an, dass man das Gewicht über den ganzen Bewegungsradius bewegen muss und nie ein Gewicht verwenden darf, das zu schwer ist."
Aber sogar Victor Martinez fiel der Versuchung zum Opfer: "Einmal habe ich nicht auf gute Ausführung geachtet. Ich trainierte mit einem Kraftdreikämpfer an der Beinpresse. Wir verwendeten sehr schwere Gewichte, aber es war eine dieser alten Maschinen ohne Kugellager und ich verletzte mir mein Knie. Ich dachte schon, dass es mit dem Training aus und vorbei wäre, aber zum Glück erholte ich mich bald wieder. Ich lernte meine Lektion und trainiere seitdem nur noch korrekt."
Wie trainiert er? Vorsichtig!
In allen Bereichen seines Lebens lässt er eine gewisse Vorsicht walten, die ihm auf dem Weg zum Erfolg
zur Seite gestanden ist. Ich bat ihn, sein Trainingsprogramm genau zu erklären.
"Ich trainiere an fünf Tagen in der Woche. Der Zyklus kann drei Trainingstage und zwei Pausentage oder vier Trainingstage und einen Pausentag umfassen. Das hängt ganz davon ab, wie ich mich in der Woche fühle. Ich bearbeite eine große Muskelgruppe pro Tag und die Waden alle zwei Tage. Bauch ist zweimal pro Woche dran. Wenn ich meine Bauchmuskulatur öfter trainiere, nimmt sie zu sehr zu."
Victors Trainingsprogramm wird später noch genauer beschrieben. Es ist interessant, dass er auch altmodische Grundübungen wie Umsetzen, Kniebeugen, Kreuzheben, Pullover und einarmiges Drücken in sein Trainingsprogramm aufnimmt. "Mein erstes Sportstudio war Elmo Santiagos Sportstudio. Da waren nur alte Hasen am trainieren. Ich lernte damals jede Menge über echtes Bodybuilding", erklärte Victor.
Seit seinen Amateurzeiten ist Victor Martinez dafür bekannt, dass er seine Form das ganze Jahr hält. Viele Athleten nehmen in der Aufbauphase bis zu 30 kg zu, aber Victor Martinez vermeidet zu viel Gewichtszunahme.
"Mein Wettkampfgewicht liegt bei 109 kg, daher gehe ich in der Aufbauphase nie über 125 kg", berichtete Victor Martinez. "Die Diät danach ist einfach zu hart, wenn man so viel Gewicht abnehmen muss. Daher pass ich lieber in der Aufbauphase auf." Aber wie alle Bodybuilder muss auch Victor Martinez in der Aufbauphase an Gewicht und Muskelmasse zulegen. Das bedeutet mehr Muskelmasse bei nur wenig verändertem Körperfettgehalt. Das ist nicht leicht, weshalb ich Victor Martinez fragte, wie eine typische Mahlzeit in der Aufbauphase aussieht.
"Am Morgen nehme ich Haferflocken und entrahmte Milch oder Eiklar und Orangensaft zu mir. Manchmal schlage ich über die Stränge und esse Platanen. Das ist eine Frucht, die in der Dominikanischen Republik zu Hause ist. Man mischt die Plantanen mit frittiertem Käse und dazu gibt es paar Scheiben
Salami. Aber das gibt es nur ab und zu. Und Pancakes.
Als Vesper gibt es dann einen Proteindrink. Am frühen Nachmittag esse ich zwei gegrillte Hühnchen oder ein Puten-Sandwich. Zwei bis drei Stunden später nehme ich einen weiteren Proteindrink zu mir. Danach gibt es Reis und Bohnen. Am Abend esse ich Steak mit Reis und Bohnen."
Victor Martinez schränkt seinen Fettkonsum auch in der Aufbauphase ein. "Ich versuche, den Fettkonsum unter 30 g zu halten", berichtete er. Seine Proteinzufuhr liegt bei 400 g pro Tag. Dazu nimmt er noch ausreichend Kohlenhydrate zu sich, so dass seine tägliche Kalorienzufuhr bei ungefähr 5.000 bis 5.500 kcal. liegt. "Es ist eine Mischung aus kohlenhydratreicher und kohlenhydratarmer Ernährung - manchmal ist das Hühnchen so gut gewürzt, dass ich auf den Reis verzichte."
Victor Martinez legt großen Wert darauf, alle seine Mahlzeiten einzuhalten. Ein Beispiel kann dies verdeutlichen: Victor Martinez Wagen wurde einmal abgeschleppt, weil er seine Parkzettel nicht bezahlt hatte. Victor machte sich jedoch weniger Sorgen um den Wagen, als seine Tupperware mit der nächsten Mahlzeit, die zusammen mit dem Wagen verschwunden war. Aber die Geschichte ging gut aus. Victor Martinez rannte einfach in ein Geschäft auf der anderen Straßenseite und kaufte sich ein Sandwich.
"Ich betone es immer wieder, wenn ich mit jungen Bodybuildern spreche, dass man bei der Ernährung diszipliniert sein muss", erklärte Victor Martinez. "Machen Sie sich einen Mahlzeitplan und halten Sie sich daran, egal was passiert. Man darf dies nicht dem Zufall überlassen. Die Ernährung ist einfach zu wichtig. Ich habe meine Mahlzeiten genau geplant: 9:00, 12:00, 15:00, 18:00, 21:00 und 00:00 Uhr. Es ist leicht zu merken und leicht, sich daran zuhalten.
Ein weiterer Faktor ist Wasser. Man sollte immer Wasser dabei haben. Mindestens vier Liter sollte man pro Tag zu sich nehmen. Es ist wichtig, dass man viel Wasser trinkt, um die Nahrung zu verdauen. Zudem kann man sich auch Proteindrinks mit Wasser zubereiten."
Als ich Victor Martinez auf seine Spitzenform bei der Night of Champions ansprach, meinte er: "Ich habe diesmal früher mit der Wettkampfvorbereitung angefangen. Ich habe mir 16 Wochen Zeit gelassen. Letztes Jahr beim Ironman Pro Invitational ließ ich mir nur 10 Wochen Zeit [er belegte den neunten Platz], damit hatte ich 11 Wochen für die Arnold Classic [dort war er 13.]. Es war einfach nicht genügend Zeit, um die nötigen Kurskorrekturen vorzunehmen. Ich konnte nicht experimentieren. Dies mal ließ ich mir 16 Wochen Zeit, aber ich brauchte nur 13, denn 13 Wochen vor der Night of Champions war ich schon in Wettkampfform. Danach musste ich nur noch Kleinigkeiten korrigieren. Ich machte weiterhin Kardio und reduzierte den Unterhautwassergehalt. Es hat sich für mich echt bewährt."
Dem kann man nur zustimmen. Victor Martinez wurde nicht nur vom Publikum mit Begeisterung begrüßt, sondern er gewann auch seinen ersten Titel als Profi und qualifizierte sich für die Mr. Olympia-Wahl. Allerdings ist er nun der Meinung, dass er in den fünf Monten zwischen den Wettkämpfen nicht ausreichend Zeit hat, um sich so sehr zu verbessern, dass er mit den Besten wie Ronnie Coleman und Jay Cutler mithalten kann. Stattdessen hat er die Arnold Classic 2004 in seinem Kalender vorgemerkt. Falls er eine Einladung bekommt, bemerkte er. Victor Martinez meinte das nicht als Scherz - er hat einfach nur gelernt, dass man im Leben nichts geschenkt bekommt. Daher will er bei seinem nächsten Wettkampf bereit sein, um bei den Besten der Besten im Sport mithalten zu können. Wir haben keine Zweifel daran.

GAA/T1103/A GAA/T1103/B





DIE HARDCORE-BODYBUILDING ZEITSCHRIFT NR. 1



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