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DER NEUE FLEX

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DER NEUE FLEX
VON GREG MERRITT

James Lewis gehört zu den Besten in seiner Alterklasse – vielleicht ist er sogar der Beste.

Heutzutage - in einem Zeitalter,
in dem die meisten Profi-Bodybuilder ihre Profilizenz erst im Alter von weit über 30 Jahren erringen - stellen sich zwei Fragen: Wo wird der nächste Nachwuchs-Star herkommen? Und wer ist der nächste Lee Haney, Shawn Ray oder Lee Priest, der bereits mit Anfang Zwanzig den Körper eines Superstars hat aber noch viele Jahre, um sich zu verbessern. Die Antworten auf diese Fragen sind: Ein Sportstudio in einem Dorf in der englischen Grafschaft Wales und der Name ist James „Flex" Lewis. Bereits vor seinem 21. Geburtstag im November 2004 hatte er eine Beinentwicklung aufzuweisen, die ihn unter die Besten in diesem Sport katapultierte. Zudem hatte er bereits sieben Bodybuilding-Wettkämpfe gewonnen und trat bei Gastauftritten zusammen mit Dexter Jackson an (und er konnte sogar mithalten). Für Flex ist dies jedoch erst der Anfang.

APRIL 2005 APRIL 2005
FRUCHTBARER BODEN Wo kommt denn nun der Spitzname her? James macht in höflicher und bescheidener Form darauf aufmerksam, dass damit keineswegs ein Vergleich mit Flex Wheeler, dem Gewinner von 17 Profi-Wettkämpfen, gemeint ist. Stattdessen erhielt er diesen Spitznamen im Alter von 11 Jahren, weil er sich als besonders flexibler Rugby-Spieler erwiesen hatte. Aber auch der ursprüngliche Flex - Flex Wheeler - verdankt seinen Spitznamen seiner Flexibilität im Kampfsport. Acht Jahre später, als Lewis James an seinem ersten Bodybuilding-Wettkampf teilnahm, sorgte er sich, dass sein Spitzname falsch verstanden würde, aber die meisten kannten ihn unter diesem Namen. Seine Mutter ermutigte ihn dazu, seinen Spitznamen beizubehalten.
Bescheidenheit, Rugby und Familienleben waren für Flex die wichtigsten Dinge in seiner Jugend in Llanelli, einer Industriestadt südwestlich von Wales. Die umliegenden Gemeinden haben bedeutsame Namen wie Furnace
(Hochofen) und Dyfatty oder Zungenbrecher wie Bwlchymydd (kein Druckfehler). In dieser Gegend treffen sich Wälder, Berge und Küsten, die von einem grauen, gegnerischen Himmel und dem Rauch der Fabriken überdeckt werden. James Vater arbeitete in einer Metall verarbeitenden Fabrik und ist Rugby-Schiedsrichter. Seine Mutter war Krankenschwester, bis ein angeborener Hüftschaden sie dazu zwang, ihren Beruf aufzugeben. Diese Umstände motivierten James dazu, als Bodybuilder erfolgreich zu werden, um seinen Eltern mit Geld helfen zu können.
Wie es bereits in den Generationen vor ihm üblich war und wie es einer seiner beiden jüngeren Brüder macht, entwickelte James große Fertigkeiten im Rugby. Dieser harte Sport, bei dem Beinkraft von besonderer Bedeutung ist, gab einst die Grundlage für seine Bodybuilding-Entwicklung. Entscheidend war jedoch Arnold Schwarzeneggers Buch Enzyklopädie des Bodybuildings, das ihm schließlich den Weg zeigte. Aber es waren nicht etwa Arnolds Bizeps oder seine Brust, sondern ein Foto von Tom Platz.
„Ich konnte es einfach nicht glauben, als ich seine gewaltige Beinentwicklung auf den Fotos sah", begeistert sich James. „Ich wusste in diesem Moment, dass ich auch so eine Beinentwicklung wollte." Seine Eltern waren damals der Meinung, dass der 12-jährige für Bodybuilding zu jung sei, weshalb er den Hantelsatz seines Vaters unter seinem Bett versteckte. Jede Nacht hob er die Langhantel auf seine Schultern und machte einen Satz Kniebeugen nach dem anderen, bevor er ins Bett ging und von Beinen wie denen von Tom Platz träumte.
WUNDERKIND Im Alter von 15 Jahren wollte er schließlich dem besten Sportstudio in der Gegend beitreten. Er kann sich noch gut an seinen ersten Tag erinnern. „Ich ging auf einen der massigsten Athleten im Sportstudio zu. Gerade wenn man jung ist, denkt man, dass diese Typen doch so unglaublich massiv sind. Also ging ich auf ihn zu, und fragte ihn, was ich essen sollte, um Masse zuzulegen. Er warf einfach nur einen Blick auf mich und lachte. Ich war so enttäuscht und niedergeschlagen, dass ich jahrelang nicht mehr in dieses Sportstudio ging. An diesem Tag versprach ich mir, dass ich niemals einen Anfänger so behandeln würde, wenn ich jemals ein Bodybuilding-Champion werden sollte. Ich werde immer nett zu allen Leuten sein."
Aber schließlich trat James doch diesem Sportstudio bei und ist heute dessen erfolgreichstes Mitglied. In der Zwischenzeit trainierte er als Kraftdreikämpfer in einem kleinen und primitiven Sportstudio. Als sich seine Beinmuskulatur dank der schweren Kniebeugen immer weiter entwickelte, ermunterten ihn seine Freunde dazu, an Bodybuilding-Wettkämpfen teilzunehmen. Schließlich nahm er im Alter von 19 Jahren an seinem ersten Wettkampf teil – der Wales-Meisterschaft in der Juniorenklasse, wo er auch gleich den ersten Platz belegte. In den nächsten zwei Jahren gewann er sechs weitere Junioren-Meisterschaften, einschließlich der Englischen Meisterschaft, die er zwei Mal gewann. Bei seinem letzten Wettkampf wog er 80 kg bei einer Größe von 1,65 m. Der bislang ungeschlagene Athlet plant nun die Teilnahme an der Englischen Meisterschaft, um eine Profilizenz zu erringen.
GEWALTIGE BEINE Seine Oberkörperentwicklung ist für sein Alter außergewöhnlich. Die Muskeln sind voll entwickelt und gehen harmonisch ineinander über. Aber wirklich erstaunlich ist seine Beinentwicklung, die jene der meisten Bodybuilder - nicht nur in seiner Altersgruppe - übertrifft. Sowohl sein Quadrizeps, der Beinbizeps als auch die Wadenentwicklung sind von allen Seiten beeindruckend. „Ich ändere mein Beintraining nahezu jedes Mal ein bisschen, um die Muskeln zu schockieren", erklärt James. „Manchmal mache ich Kniebeugen an der Multipresse oder Hackenschmidt-Kniebeugen oder Ausfallschritte. Ich mache hin und wieder auch total ungewöhnliche Sachen. Zum Beispiel mache ich Stripsätze. Ich mach dann 100 Wiederholungen Beinpressen in einem Satz, indem ich vier Stripsätze mit jeweils 25 Wiederholungen mache. Meine Lieblingsübung ist Beinpressen. Normale Kniebeugen mache ich mittlerweile nicht mehr, aber Kniebeugen waren sicher dafür verantwortlich, dass sich meine Beine so gut entwickelt haben.
Beinbizeps trainiere ich zwei Mal pro Woche. Gewöhnlich ändere ich mein Beinbizeps-Training, weshalb mein Training montags und donnerstags sich deutlich voneinander unterscheiden. Für Waden mache ich drei Supersätze, die aus Wadenheben im Sitzen und im Stehen bestehen. Normalerweise zähle ich bei den Wiederholungen nicht mit, aber aus Erfahrung weiß ich, dass die Wiederholungszahl ungefähr bei 30 liegt. Nach jedem Satz Wadenheben im Stehen stelle ich mich noch auf einen Holzblock und mach so viele Wiederholungen, wie ich kann."
DIE ZUKUNFT SIEHT VIEL VERSPRECHEND AUS James arbeitet für eine Spedition in Llanelli, wo er Möbelstücke und Kisten transportiert. Abends trainiert er im Sportstudio. Er hofft, eines Tages in Kalifornien trainieren und leben zu dürfen. Besonders der Sonnenschein erscheint ihm attraktiv an Kalifornien. Wales ist der direkte Gegensatz dazu, denn es scheint dort immer zu regnen oder zu schneien. „Man fühlt sich in Kalifornien viel besser, denn wenn man die Vorhänge öffnet, scheint die Sonne", erklärt er mit leuchtenden Augen. „Da ist man motiviert, etwas zu unternehmen. Man will es einfach zu etwas bringen."
In der Laufbahn eines Bodybuilders gibt es einige wichtige Stationen. Dazu gehören der erste Wettkampf, der erste Sieg, die erste Profimeisterschaft und die erste Mr. Olympia-Teilnahme. Ein weiterer Meilenstein ist ein Fototermin für die FLEX. Besonders ein Fototermin mit dem Bodybuilding-Fotograf Chris Lund und dessen Assistenten in Milos Sarcevs Sportstudio in Fullerton (Kalifornien) ist wie ein Aufnahme-Ritual in die Welt des Profi-Bodybuildings. Normalerweise ist diese Ehre neuen Profi-Bodybuildern oder denen, die kurz davor stehen, vorbehalten, aber in James Fall wurde eine Ausnahme gemacht.
James hat bislang nur an Junioren-Meisterschaften teilgenommen und war entsprechend nervös, als wir uns gemeinsam auf den Weg zu Milos Sarcevs Sportstudio machten (und das war nicht nur auf Grund des verrückten Verkehrs auf den Straßen von Kalifornien). Die Jugend lebt von der Hoffnung. Wenn Sie diese Zeilen lesen, ist James bereits wieder in seiner Heimat. Vermutlich ist es ein recht normaler Tag und er ist gerade im Training. Aber seine Träume leuchten strahlend hell aus seinen Augen.

MILOS SARCEVS MEINUNG
Als Milos Sarcev zum ersten Mal James „Flex" Lewis traf, erkannte er sofort dessen Potenzial, trotz seiner jugendlichen 20 Jahre. Der erfahrene Profi nahm sich Zeit, um dem jungen Athleten mit der Beurteilung seiner Entwicklung und den nächsten Schritten, sowie seinem Posen, seinem Training und seiner Diät zu helfen. „Deine Beinentwicklung ist bereits Weltklasse", erklärte Milos. „Deine Beine haben die Masse und die Muskelreife eines 35-jährigen Profis, aber du bist erst 20 Jahre alt - da ist es sehr erstaunlich. Ich würde an deiner Stelle die Beine etwas weniger trainieren, denn sonst wirst du eines Tages wie Tom Platz enden. Er war zwar ein hervorragender Bodybuilder, aber er gewann nie einen Profi-Wettkampf, denn es fehlte ihm an Proportionen. Das Publikum sieht gerne ein Monster, aber wenn es darum geht, einen Wettkampf zu gewinnen sind Symmetrie und Proportionen wichtig.
Ich bin mir sicher, dass wir in der Zukunft noch viel von dir hören werden. Du musst lediglich deinen Oberkörper etwas verbessern. Du solltest schwere Grundübungen für den Rücken und die Brust machen: Kreuzheben, Rudern in Vorbeuge, Kurzhantel-Rudern, Bankdrücken und Schrägbankdrücken." Milos zeigte James, wie er diese Übungen ausführen sollte und wie er seine Posen verbessern könnte. James hörte aufmerksam zu und merkte sich alles. Auf unserer Rückfahrt nach Los Angeles und später am Abend, als wir gemeinsam beim Abendessen saßen, sprach James immer wieder von den Ratschlägen, die er von Milos erhalten hatte. Er konnte es kaum abwarten, diese Ratschläge bei seinem Training, seiner Ernährung und seinem Posing in die Tat umzusetzen. FLEX





DIE HARDCORE-BODYBUILDING ZEITSCHRIFT NR. 1



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