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INTENSITÄTS-NIVEAU MAXIMAL

Untitled Document INTENSITÄTS-NIVEAU MAXIMAL

Der Motor des Hummers springt an, Hardrock tönt aus den Lautsprechern, ein doppelter Espresso wird geschlürft: die Schlacht im Sportstudio steht bevor!

VON BRANCH WARREN
Amerikanischer Meister im Schwergewicht 2001

MAI 2005
Ronnie Colemans Bodybuilding-Karriere fing an, als ich ein Teenager war. Da ich damals im selben Sportstudio trainierte wie er, folgte ich auch im Training seinem Beispiel und machte die gleichen verrückten Trainingseinheiten wie er.
Mittlerweile habe ich mein eigenes Sportstudio, das Maximum Fitness in South Lake (US-Bundesstaat Texas). Mein Trainingspartner ist Johnnie Jackson und unser Kumpel ist Jay Moore, ein 118 kg schwerer Bodybuilder, der echt schwer trainieren kann. Kein Wunder, dass unsere Trainingseinheiten ein bisschen überkandidelt sind. Allerdings gibt es einen erheblichen Unterschied zwischen Ronnie Colemans Training und meinem: Er trainiert jede Muskelgruppe zwei Mal pro Woche, wogegen ich jede Muskelgruppe nur ein Mal trainiere. Auf Grund meiner Arbeit und da ich auch noch zur Uni gehe, habe ich einfach nicht so viel Zeit. Natürlich würde ich lieber jede Muskelgruppe zwei Mal pro Woche trainieren, denn ich trainiere wirklich sehr gern - je öfter, desto besser. Das war auch ein Grund, warum ich mein eigenes Sportstudio eröffnet habe.
Andererseits habe ich jedoch nach ein paar Monaten, in denen ich jede Muskelgruppe nur ein Mal pro Woche trainiert habe, entdeckt, dass sich meine Kraft erheblich verbessert hat (vor ein paar Tagen habe ich mit 266 kg sieben Wiederholungen im Kreuzheben gemacht, mein Trainingspartner Johnnie hat sogar 10 Wiederholungen geschafft, woraufhin ich im Gegenzug 20 Wiederholungen Langhantel-Rudern mit 180 kg machte).
Ich trainiere nach wie vor alle Muskelgruppen nur ein Mal pro Woche, aber dafür mit der doppelten Intensität. Unser Trainingsstil kann nur als totaler Wahnsinn beschrieben werden. In gewisser Hinsicht ist es erschreckend. Die Leute im Sportstudio schauen uns zu, aber sie halten einen sicheren Abstand zu uns. Bei jedem Training gehen wir mit maximaler Intensität an die Sache. Der Nachteil daran ist jedoch, dass die Verletzungsgefahr erheblich ansteigt. Die Problematik wird dadurch noch weiter verstärkt, dass wir bereits seit zwei Jahren mit maximaler Intensität trainieren und keine längere Pause eingelegt haben. Jedes Training geht bis an die Grenze des Menschenmöglichen.
Wenn ich in Johnnies Sportstudio auf der anderen Seite der Stadt trainiere, schwinge ich mich in meinen Hummer H2, schlürfe einen doppelten Espresso, werfe mir ein paar Fettverbrenner ein und lasse den Hardrock aus den Lautsprechern dröhnen. Selbst wenn wir in meinem Sportstudio trainieren, schwinge ich mich zuerst in meinen Hummer H2, fahre ein paar Straßen weiter, schlürfe einen doppelten Espresso, werfe mir ein paar Fettverbrenner ein und lasse den Hardrock aus den Lautsprechern dröhnen. Die Hardrock-Musik und das Motorengeräusch von meinem Hummer sind für mich die totale Motivation. Danach bin ich bereit für die Schlacht.
Der Hummer hilft mir wirklich. Für viele Menschen ist ihr Auto ein Spiegelbild ihrer Persönlichkeit. In meinem Fall ist das mit Sicherheit so. Wenn ich alleine in meinem Hummer sitze, gehen mir alle möglichen Gedanken durch den Kopf. Normalerweise visualisiere ich verschiedene motivierende Themen. Manchmal stelle ich mir vor, ich wäre ein Gladiator, der sich auf den Kampf um Leben und Tod vorbereitet und die Gewichte sind mein Gegner. Ich kann nicht zulassen, dass die Gewichte mich besiegen. Sie dürfen mich nicht überwältigen. Ich muss durch das Training durchkommen, egal wie - Schmerz und Anstrengung spielen keine Rolle.
Wenn ich dann im Sportstudio ankomme, schwitze ich bereits. Ohne ein Wort mit jemandem zu wechseln, gehe ich an die Trainingsmaschinen. Ich möchte nicht unhöflich sein, aber ich habe mich die ganze Zeit auf das Training vorbereitet und nun sind mein Körper und meine Psyche voll und ganz auf das Training eingestellt. Daher gehe ich meistens lieber in Johnnies Sportstudio. Mein Sportstudio ist mein Geschäft, aber mein Beruf ist das Training und diese beiden Dinge widersprechen sich leider. Für viele ist es schwierig, das zu verstehen. Viele Leute möchten sich während des Trainings mit mir unterhalten und in meinem Sportstudio kann ich zu meinen Kunden nicht unhöflich sein. Aber wenn ich im Training bin, muss ich trainieren. Daher gehe ich direkt ins Training, fange mit dem Aufwärmen an und mache mich dann sofort an der ersten Übung zu schaffen.
Zwischen Johnnie, Jay und mir besteht im Training ein gewisses Konkurrenzdenken, aber nur insofern, dass es uns dabei hilft, mehr Leistung zu bringen. Wir machen von Anfang an klar, dass keiner mit uns trainieren kann, der nicht bereit ist, bis an die absolute Grenze zu gehen. Und das merkt man schließlich auch.
Unsere Trainingsintensität lässt sich nicht leugnen. Wenn jemand nicht bereit ist, bis an die absolute Leistungsgrenze zu gehen, merkt man das im Training sofort. Ich gebe bei jedem Satz 100% und das Gleiche trifft auch auf meine Trainingspartner zu. Wenn jemand die nächste Wiederholung nicht schafft, liegt das einfach daran, dass nichts mehr geht - es hat nichts damit zu tun, dass wir zu faul sind, das Gewicht zu heben. Ein anderer Bodybuilder hat mit uns ein paar Mal trainiert und wir haben ihm gesagt, dass er härter trainieren muss. Das tat er jedoch nicht, worauf wir lieber ohne ihn trainiert haben.
Es geht nicht darum, wie viel Kraft man hat, sondern wie intensiv und hart man trainiert. Schließlich sind wir Bodybuilder - Kraft spielt keine Rolle, sondern die Trainingsintensität steht im Vordergrund. Ich habe schon mit 80 kg schweren Athleten trainiert, die nicht besonders stark waren, aber im Training alles gaben und deshalb als Trainingspartner unschlagbar waren. Diese Athleten hatten den brennenden Wunsch, ihre Leistung zu verbessern und etwas zu erreichen. Ich trainiere lieber mit so einem Athleten, als mit einem 140 kg schweren Profi-Bodybuilder, der diese Intensität und Motivation nicht besitzt. Man kann es regelrecht spüren, wenn ein Athleten motiviert ist und bereit ist, alles im Training zu geben. Entweder man ist es oder man ist es nicht. Manche Athleten können einfach nicht so hart trainieren. Das kann man einfach sehen und fühlen.
Wir beschimpfen uns im Training nicht gegenseitig, sondern wir unterstützen uns. Manchmal fällt während des gesamten Trainings kein einziges Wort, weil wir so konzentriert auf das Training und die Trainingsintensität sind. Wir wissen, was wir im Training zu tun haben und machen uns einfach an die Arbeit, ohne weitere Worte zu verlieren. Das ist unglaublich motivierend. Natürlich gibt es auch Tage, an denen ich müde bin und überhaupt keine Lust zum Training habe. Wenn ich dann aber erst einmal im Sportstudio bin, verfliegt die Müdigkeit und ich bin total motiviert. Ich kann mich nicht daran erinnern, jemals ein schlechtes Training gehabt zu haben. Dies liegt daran, dass ich mich auf jedes Training intensiv vorbereite. Wenn ich dann im Sportstudio bin, gibt es nur noch eines: hart und intensiv trainieren. Ich weiß genau, wenn ich mit Johnnie und Jay trainierte und keine Leistungen erbrächte, würden mich die Beiden bei lebendigem Leibe aufessen.
Wenn einer von uns seinen Satz ausführt, ermutigen ihn gleichzeitig die anderen mit Worten wie: „Mach noch fünf Wiederholungen. Du kannst es schaffen. Mach weiter. Gib nicht auf!" Jeder hilft dem anderen bei seinem Satz. Wir sind eine totales Team. Jeder kann fühlen, was der andere fühlt. Wenn einer Schmerzen hat, haben auch die anderen Schmerzen. Wir geben uns gegenseitig so viel positive Energie - im Grunde multiplizieren wir die positive Energie mal drei. Das ist echtes Training! FLEX





DIE HARDCORE-BODYBUILDING ZEITSCHRIFT NR. 1



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