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ABKURZUNG INS NICHTS?
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ABKÜRZUNG INS NICHTS?
VON GREG MERRITT
Wenn Sie Ihrem Training eine neue Richtung geben, müssen Sie darauf achten,
dass Sie das eigentliche Ziel nicht aus den Augen verlieren
Wir leben in extremen Zeiten und dabei spreche ich nicht nur von der
geopolitischen
Lage. Alles scheint darauf ausgerichtet, möglichst schnell nach vorne zu
kommen, angetrieben von Mikroprozessoren, Satelliten oder Energydrinks. Gesichter,
Körper, Häuser und Autos, sie alle bekommen „Grunderneuerungen",
die dann auch noch im Fernsehen gezeigt werden. Die Menschen wollen Veränderungen,
und sie wollen sie noch heute, denn morgen möchten sie sich vielleicht schon
wieder verändern.
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Was macht man da als Hardgainer in einer Welt, in der es scheinbar nur noch um
die augenblickliche Befriedigung geht, um den Erfolg hier und jetzt? Der Wunsch,
den eigenen Körper zu verändern, vereint alle Bodybuilder, aber für
die meisten von uns dauern diese Veränderungen sehr lange, und sie sind
niemals einfach. Also suchen wir nach Abkürzungen. Wir fragen uns, ob der
schnelle Erfolg sich dadurch einstellt, dass wir mehr trainieren oder mehr essen
oder dass wir dieses Pulver oder jene Pille nehmen.
In diesem Monat wollen wir einmal die am häufigsten beschrittenen Abkürzungen
näher unter die Lupe nehmen und jeweils einen weniger extremen, dafür
aber letztendlich besseren Trainingsweg aufzeigen, um kontinuierlich und langfristig
zu wachsen.
ABKÜRZUNG 1. Mehr Sätze Der Übergang vom Anfänger zum Fortgeschrittenen
und schließlich zum erfahrenen Bodybuilder bringt auch immer ein erhöhtes
Trainingsvolumen mit sich. Wo der Anfänger sechs Sätze für seine
Bizeps macht, absolviert der Fortgeschrittene wahrscheinlich eher neun Sätze,
während der erfahrene Bodybuilder 12 Sätze macht.
Diese Grundregel ist allgemein gesprochen sicherlich richtig, aber sie sorgt
auch für zwei natürliche Reaktionen, die zu Fehlverhalten führen.
Erstens, niemand möchte lange ein Anfänger oder „nur" ein
Fortgeschrittener sein, wenn er scheinbar auch ein erfahrener Bodybuilder sein
kann, also gehen viele weniger erfahrene Bodybuilder dazu über, sich zu
früh ein zu großes Trainingsvolumen aufzuladen.
Zweitens impliziert der beschriebene Anstieg der Trainingssätze, je länger
Sie schon trainieren, desto mehr Sätze sollten Sie auch machen. Wenn Sie
erstmal ein Jahr lang 12 Sätze gemacht haben, dann muss es ja wohl an der
Zeit sein, 15 Sätze zu machen. Und wenn die 15 Sätze nicht mehr ausreichen,
um Ihre Muskeln zum Wachstum zu bewegen, dann sind wahrscheinlich 20 Sätze
angesagt.
Der bessere Weg. Wir empfehlen mindestens 2 Jahre Trainingserfahrung, bevor eine
erwachsene Person den Wechsel vom Anfänger zum Fortgeschrittenen vollzieht.
Wenn Sie die Stufe eines fortgeschrittenen Bodybuilders erreicht haben, bringt
es in aller Regel nichts mehr, weitere Sätze hinzuzufügen – in
manchen Fällen ist das sogar kontraproduktiv. Das ist so wie mit dem Gitarristen
Nigel Tufnel und dessen Verstärker, den er in dem Film This is Spinal Tap
auf die Stufe 11 stellen kann. Wenn aber 10 die maximale Lautstärke ist,
bringt es gar nichts, wenn man eine weitere Stufe hinzufügt.
Es gibt kein festgeschriebenes Trainingsvolumen, dass man jedem Bodybuilder empfehlen
könnte. Jedoch gibt es allgemeine Parameter, die für die große
Mehrzahl aller Hardgainer gelten. Wenn Sie das Fortgeschrittenenstadium erreicht
haben, sollten Sie 10-12 Sätze für die kleineren Muskelgruppen wie
Trizeps machen und 12-16 Sätze für alle größeren Muskelgruppen
wie beispielsweise den Rücken. Der Schlüssel zu mehr Wachstum liegt
dabei in verstärkter Intensität, häufiger Abwechslung und mehr
Gewicht, nicht darin, dass Sie mehr Sätze machen.
ABKÜRZUNG 2. Mehr Trainingseinheiten Viele Bodybuilder glauben, dass sie
nicht oft genug trainieren, wenn sie lesen, dass viele Profis in der Vorbereitung
auf den Mr. Olympia zweimal am Tag eine volle Trainingseinheit absolvieren oder
dass Massemonster wie Ronnie Coleman und Art Atwood jede Muskelgruppe zweimal
in der Woche attackieren. Mehr Training muss doch wohl zwangsläufig mehr
Masse bedeuten. Weniger erfahrene Bodybuilder machen also noch ein paar zusätzliche
Sätze Bizepstraining nach dem planmäßigen Wadentraining, oder
sie trainieren ihre Waden jeden Tag, denn sie sind ja ohnehin im Studio und ein
paar Übungen mehr können wohl nur hilfreich sein.
Der bessere Weg. Es gibt keinen schnelleren Weg, zu viel zu trainieren, als wenn
man erneut zu den Eisen greift, bevor sich die Muskeln vom letzten Training erholt
haben. Wenn man das Anfängerstadium erst einmal hinter sich gelassen hat
(als Anfänger kann man Muskelgruppen aufgrund des geringen Trainingsvolumens
auch zweimal in der Woche trainieren), sollte man vier bis sieben Tag warten,
bevor man dieselbe Muskelgruppe erneut angreift. Das heißt also, wenn Sie
Montag Brusttraining gemacht haben, dann sollten Sie bis mindestens Freitag warten,
bevor Sie wieder Brustübungen machen. Die Ausnahmen dieser Regel stellen
Waden, Bauch und Unterarme dar, allesamt Muskelgruppen, die alle zwei Tage trainiert
werden können.
ABKÜRZUNG 3. Weniger Trainingseinheiten Angesichts der Warnungen vor zu
vielen Trainingseinheiten beschließen viele Bodybuilder für sich,
dass weniger mehr ist. Genau wie ihre Vorbilder auf der Profibühne trainieren
sie ihre einzelnen Muskelgruppen einmal in der Woche und legen ausgiebige Trainingspausen
ein. Die meisten Profis trainieren jede Muskelgruppe schließlich nur einmal
in der Woche, und manche Topbodybuilder trainieren ihre besten Muskelgruppen – oder
auch alle – manchmal wochenlang nicht.
Der bessere Weg. Für einige Hardgainer besteht der Weg zu maximalem Massezuwachs
möglicherweise tatsächlich darin, dass sie die einzelnen Muskelgruppen
nur einmal in der Woche trainieren, aber für die Mehrzahl aller Hardgainer
reicht das ganz einfach nicht aus. Sie sind kein Profibodybuilder mit dem entsprechenden
Tagesablauf, der perfekten Ernährung oder den idealen Supplements. In aller
Regel haben Sie mit einer etwas häufigeren Trainingsfrequenz für die
einzelnen Muskelgruppen, also alle fünf oder sechs Tage, den größten
Erfolg.
Letztendlich müssen Sie aber ein wenig herumexperimentieren, um herauszufinden,
was für Ihren Körper am besten funktioniert. Wenn Sie eine Pause einlegen,
dann sollte die nicht länger als zwei aufeinander folgende Wochen im Jahr
oder vier Mal eine Woche pro Jahr sein. Kurze Pausen können einem müden
Körper neue Energie verleihen und die Leidenschaft für das Training
wieder anheizen, aber Sie verlieren hart erarbeitete Muskelmasse, wenn Sie längere
Pausen einlegen. Ganz abgesehen davon sollte das auch kein Problem sein, denn
es gibt nicht viele Orte auf der Welt, an denen Sie kein Studio finden können.
ABKÜRZUNG 4. Niedrigere Wiederholungszahlen Progressiver Widerstand ist
einer der wichtigsten Eckpfeiler im Bodybuilding. Fest entschlossen, immer mehr
und mehr Gewicht aufzulegen, machen viele Hardgainer allerdings den Fehler, dass
sie ganz einfach immer weniger und weniger Wiederholungen machen. Sie glauben,
dass wenn Sie sechs Wiederholungen mit 100 kg schaffen, sie ihre Muskeln noch
härter trainieren, wenn sie eine Wiederholung mit 125 kg machen.
Der bessere Weg. Schwerere Gewichte für niedrigere Wiederholungszahlen erhöhen
das Verletzungsrisiko und machen es in aller Regel schwerer, sich auf die Muskelarbeit
zu konzentrieren. Wenn Sie vier oder weniger Wiederholungen machen, wird die Übung
selbst zum Ziel und ist nicht mehr nur ein Mittel, mit dem Sie Muskelwachstum
erzeugen wollen. Außerdem ist es sogar schwerer, die Muskeln mit weniger
Wiederholungen zur Erschöpfung zu führen als mit moderateren Wiederholungszahlen.
Wenn Sie nach zwei Wiederholungen keine dritte mehr schaffen, sind sie wahrscheinlich
weiter vom gewünschten Muskelversagen entfernt, als wenn Sie neun Wiederholungen
gemacht hätten und bei der 10. gescheitert wären. Nehmen Sie sich also
vor, 9/10 (90%) bis zur Erschöpfung zu gehen und nicht 2/3 (67%).
Das gezielte Training mit wenigen Wiederholungen kann dazu eingesetzt werden,
an Kraft zuzulegen und die Muskeln zu schocken, aber es sollte nicht den wesentlichen
Teil Ihres Trainings ausmachen. Machen Sie für die Mehrzahl aller Übungen
zwischen sechs und 10 Wiederholungen. Wir empfehlen Ihnen, schwere Sätze
mit vier oder weniger Wiederholungen nicht häufiger als einmal in der Woche
für Grundübungen wie Kniebeugen oder Kreuzheben zu machen. Achten Sie
außerdem darauf, dass Sie immer nach dem Pyramidensystem vorgehen, und
die kürzesten Sätze zum Schluss machen.
ABKÜRZUNG 5. Höhere Intensität Hardgainer befürchten oft,dass Sie ganz einfach nicht hart genug trainieren, also erhöhen sie ihre
Intensität mit Supersätzen, Drop-Sätzen, Intensivwiederholungen
oder verkürzten Pausen zwischen den Sätzen. Fest entschlossen, ihre
Muskeln bei jedem Training voll und ganz zu erschöpfen, schießen sie über
das Ziel hinaus.
Der bessere Weg. Höhere Intensität ist eine Abkürzung, die für
fortgeschrittene Bodybuilder in der Regel funktioniert, aber man muss dabei immer
auf der Hut sein. Wenn Sie Ihren Verstärker also bei jedem Satz auf 11 stellen,
um das anfänglich genannte Beispiel noch einmal zu zitieren, ist irgendwann
keine Steigerung mehr möglich und Ihr Körper gewöhnt sich an die
Belastung bzw. die extreme Belastung – dadurch kommt es dann zur Stagnation
oder zu ungewollten Ermüdungserscheinungen. Nutzen Sie hochintensive Trainingsstrategien
nicht zu häufig und immer nur gezielt. Das heißt z.B., dass Sie solche
Strategien für die letzten Sätze einer Übung aufsparen.
Kürzen Sie die Pausen zwischen den Sätzen nicht zu sehr. Ihr Körper
braucht mindestens eine Minute, damit Sie wieder durchatmen können und ausreichend
Kraft für den nächsten Satz haben. Gehen Sie bei den Sätzen bis
an die Grenze der maximal möglichen Wiederholungen und das ein oder andere
Mal auch darüber hinaus. Wohl dosiert ist das dann in der Tat eine effektive
Abkürzung zu schnellerem Muskelwachstum. FLEX
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