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DIE FETTABBAU-EVOLUTION
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DIE FETTABBAU-EVOLUTION
VON CHRIS ACETO
Um Körperfett zu verlieren, müssen Sie mehr tun, als nur Kalorien zählen
Tut uns Leid, Ihnen Ihre Illusionen zu rauben, aber dass beim Verbrennen von
3500 Kalorien ein Pfund Körperfett verbrannt wird, stimmt vielleicht auf
dem Papier, in der Realität jedoch nicht immer. In der besten aller denkbaren
Welten baut der Körper ein Pfund Fett ab, wenn man die Kalorienzufuhr um
3500 verringert, aber das ist längst nicht immer der Fall. Der Abbau von
Körperfett ist nämlich weit mehr als nur ein Zahlenspiel. Würden
wir bei der Körperfettkontrolle stur auf dieses mathematische Modell pochen,
wäre die Diätphase vor Bodybuilding-Wettkämpfen nicht schwieriger,
als auf die Tasten eines Taschenrechners zu drücken. Bodybuilder würden
sich einfach an die Zahlen halten und versuchen, 3500 Kalorien aus ihrem Ernährungsprogramm
zu streichen, ohne sich um andere Faktoren zu kümmern, die aber für
ihre Körperfettverluste eine viel bedeutendere Rolle spielen.
Hier eine Übersicht der Faktoren, die erklären, warum es sich allzu
leicht macht, wer seine Diät nach der „3500-Kalorien-entspricht-einem-Pfund-Fett“-Leitschnur
ausrichtet, und was Sie anstellen müssen, um wirklich Körperfett abzubauen.
FAKTOR # 1 | Der Körper stellt sich auf die geringere Kalorienzufuhr
ein. Nehmen wir an, ein Bodybuilder verringert seine tägliche Kalorienzufuhr
in der Definitionsphase von 3500 auf 3000 Kalorien. Pro Woche würde er damit
3500 Kalorien weniger verzehren. In den ersten beiden Wochen – und vielleicht
in Woche 3 und 4 – könnte das in einem Abbau von einem Pfund Körperfett
pro Woche resultieren, was sich nach der vierten Woche zu vier Pfund weniger
Fett addieren würde.
Ab der fünften oder sechsten Woche jedoch wird kein zusätzliches Körperfett
mehr abgebaut – man spricht von einem Plateau. Das Problem ist, dass der
Körper sich auf die verringerte Kalorienzufuhr einstellt, weniger Kalorien
verbrennt. Wenn Sie weniger essen, fängt Ihr Körper irgendwann an,
weniger Kalorien zu verbrennen. Das widerspricht der These, pro Woche 3500 Kalorien
weniger zu verzehren, würde jede Woche in einem kontinuierlichen Abbau von
einem Pfund Körperfett resultieren.
FAKTOR # 2 | Manche Kalorien werden eher als Körperfett eingelagert. Von
den drei Makronährstoffen Kohlenhydrate, Protein und diätetisches Fett
führt der letztgenannte am ehesten zu einem Körperfettabau. Zwar werden
bei der Verdauung aller Makronährstoffe Kalorien verbrannt, aber für
die Verdauung von diätetischem Fett sind weniger Kalorien notwendig – zwei-
bis dreimal weniger als für Kohlenhydrate und ungefähr zehnmal weniger
als für Protein. Im Vergleich zu Kohlenhydraten oder Protein liefert diätetisches
Fett damit mehr Nettokalorien, die als Körperfett eingelagert werden können.
Auf unser Beispiel übertragen heißt das, ein Bodybuilder, der 3000
Kalorien am Tag verzehrt, würde mithilfe einer fettärmeren Diät
mehr Körperfett abbauen – auch wenn die Anzahl zugeführter Kalorien
exakt dieselbe ist. Das ist nur ein Beispiel, warum die Gesamtkalorienzufuhr
nur einer von vielen Aspekten einer effektiven Körperfettkontrolle ist.
FAKTOR # 3 | Protein unterstützt den Erhalt von Muskelmasse. Sobald Sie
Ihre Kalorienzufuhr verringern, riskieren Sie immer, dass Ihr Körper Muskelgewebe
als Brennmaterial verwendet. Es wäre herrlich, die Kalorienzufuhr verringern
und dabei ausschließlich Körperfett zu verbrennen, aber so funktioniert
der Körper leider nicht! Deshalb müssen Sie genügend Protein konsumieren,
um zu verhindern, dass Ihr Körper sich an Ihren Muskeln als Energiequelle
vergreift.
Es gilt der Grundsatz: Diätetisches Protein verschont Muskelprotein. Bei
einer Kalorienverringerung hilft Protein, die Muskeln schützen, und solange
Sie kein Muskelgewebe abbauen, verhindern Sie eine Verlangsamung Ihres Ruhestoffwechsels.
Generell bewahrt ein Bodybuilder, der 3000 Kalorien am Tag zuführt – oder
3500 Kalorien weniger pro Woche als bei einer Zufuhr von 3500 Kalorien am Tag – mehr
Muskelmasse und damit einen schnelleren Stoffwechsel (höheren Grundumsatz),
wenn er mehr Protein verzehrt.
Für optimale Resultate sollten Bodybuilder pro Tag zwischen 2,2 und 3,3
Gramm (g) Protein pro Kilogramm Körpergewicht verzehren. Oder anders ausgedrückt:
Ein 90-Kilo-Bodybuilder, dessen Diät 3000 Kalorien pro Tag erlaubt, sollte
jeden Tag 300 g Protein oder 1200 Proteinkalorien konsumieren. Wie sich gezeigt
hat, eignet sich dieser Proteinanteil von 40 Prozent ideal, um Diät haltende
Bodybuilder vor einem Muskelabbau zu schützen.
FAKTOR # 4 | Der Hormonspiegel verändert sich während einer
Diät. Einer der wichtigsten – und besonders häufig übersehenen – Faktoren
einer Diät hängt mit dem Einfluss der verringerten Kalorienzufuhr auf
den Hormonspiegel zusammen. In einer Studie wurde bei Männern mit hoher
Proteinzufuhr ein höheres IGF-1-Aufkommen festgestellt als bei einer Kontrollgruppe,
die weniger Protein konsumierte – selbst wenn die Gesamtkalorienzufuhr
beider Gruppen dieselbe war. Indem er ein Muskelwachstum unterstützt, ist
der insulinähnliche Wachstumsfaktor von enormer Bedeutung für den Stoffwechsel.
Wenn Sie ein Muskelwachstum anregen – auch wenn Ihre Kalorienzufuhr geringer
als normal ist -, nehmen Stoffwechselgeschwindigkeit und Fettverbrennungskapazität
des Körpers zu. Eine Kalorienzufuhr von 3000 am Tag (wieder 3500 weniger
pro Woche als bei einem Verzehr von 3500 Kalorien am Tag) mit niedrigem Proteinanteil
hätte zur Folge, dass Sie sich um die positive IGF-Wirkung bringen, was
wiederum weniger Muskelwachstum und einen schwächeren Einfluss auf den Stoffwechsel
bedeuten würde. Legen Sie Wert auf eine hohe Proteinzufuhr (2,2-3,3 Gramm
pro Kilogramm Körpergewicht), und schaffen Sie so ein hormonelles Umfeld,
das Ihre Körperfettverbrennung ankurbelt.
FAKTOR # 5 | Der glykämische Index beeinflusst die Körperfettverbrennung. Ein
Bericht in der Mai-Ausgabe des American Journal of Clinical Nutrition bestätigte
die Richtigkeit der Ernährungsgewohnheiten vieler Bodybuilder. Festgestellt
wurde, dass Nahrungsmittel mit niedrigem glykämischem Index (Glyx-Faktor)
Körperfettverluste anregen, auch wenn die Gesamtkalorien nicht verringert
werden. In der Studie bauten die Befolger einer fettarmen Diät weniger Körperfett
ab als Vergleichspersonen mit einem hohen Anteil niedrig-glykämischer Kohlenhydrate
in ihrer Ernährung – obwohl die fettarme Gruppe weniger Kalorien verzehrte!
Kohlenhydrate mit niedrigem Glyx-Faktor sind unter anderem Haferflocken, Buchweizennudeln,
Buchweizen-Pancakes, rote Kartoffeln, Yamswurzeln, Kirschen und Orangen. Aufgrund
ihrer langsamen Verdauung werden sie langsamer in Glukose, die grundlegendste
aller Energiequellen des Körpers, verwandelt. Langsamer verdaute Kohlenhydrate
werden vom Körper seltener als Körperfett eingelagert als andere Kohlenhydrate.
Der Hauptgrund hierfür hängt wohl mit der Insulinausschüttung
und deren Wirkung zusammen. Insulin ist ein Hormon, das Fetteinlagerungen fördert
und bei einem höherem Kohlenhydratkonsum in höheren Mengen gebildet
wird. Dabei gilt: Je höher sein glykämischer Index, umso höher
fällt die durch das Kohlenhydrat angeregte Insulinausschüttung aus.
Ein höherer Insulinspiegel optimiert die Fähigkeit des Körpers
zur Fetteinlagerung, während ein niedriger Insulinspiegel erlaubt, dass
Körperfett zu Energie verbrannt wird.
Wenn Sie Ihre Kalorienzufuhr um 3500 pro Woche verringern, aber genauso viele
hoch-glykämische Kohlenhydrate verzehren, ist die Wahrscheinlichkeit hoch,
dass Sie kein Körpergewicht abnehmen, weniger als ein Pfund Körperfett
pro Woche verlieren oder schnell an ein Plateau stoßen.
Verringern Sie dagegen Ihre Kalorienzufuhr um nur 3000 pro Woche (eine behutsamere
Kalorienverknappung) und konsumieren hauptsächlich niedrig-glykämische
Kohlenhydrate (parallel zu einer hohen Proteinzufuhr), gelingt es Ihnen, den
Zeitraum, in dem Ihr Körper Fett verbrennt, maximal in die Länge zu
ziehen.
FAKTOR # 6 | Die Mahlzeitenhäufigkeit spielt eine zentrale Rolle für
die Körperfettverbrennung. Ein Bodybuilder, der pro Woche 3500 Kalorien
weniger verzehrt, baut mehr Körperfett ab, wenn er sieben statt fünf
Mahlzeiten am Tag konsumiert. Einmal regen Sie, jedes Mal wenn Sie etwas essen,
Ihren Stoffwechsel sanft an; zweitens dämpfen mehrere Mahlzeiten die Cortisolausschüttung,
was wiederum das Testosteronaufkommen erhöht. Bleibt der Testosteronspiegel
während einer Diätphase auch nur geringfügig erhöht, kann
der Körper besser an seiner Muskelmasse festhalten. Und je höher Ihr
Masseanteil – das wissen Sie inzwischen -, umso flotter arbeitet Ihr Stoffwechsel.
Umgekehrt riskiert ein Bodybuilder, der dieselbe Kalorienanzahl über nur
vier oder fünf Mahlzeiten am Tag verteilt, dass er pro Woche nicht wie erwartet
ein Pfund Körperfett abbaut, was bedeutet, dass die Rechnung auch hier wieder
nicht aufgeht.
FAKTOR # 7 | Der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme ist wichtig für
den Körperfettabbau. Die FLEX erteilt immer wieder den Rat, umso
weniger zu essen, je näher der
Abend rückt. Das gilt vor allem für die Zufuhr von Kohlenhydraten,
weil sich die Insulinsensibilität im Laufe des Tages verschlechtert. Der
Begriff bezieht sich auf die Fähigkeit des Hormons, Nährstoffe in die
Muskelzellen zu transportieren. Lässt die Insulinsensibilität nach,
muss mehr Insulin ausgeschüttet werden, um dieselbe Aufgabe zu bewältigen.
Das bekannte Problem: Insulin unterstützt Fetteinlagerungen. Wer spät
am Tag, wenn die Insulinsensibilität bereits schwach ist, eine kohlenhydratreiche
Mahlzeit verzehrt, ruft damit einen stärkeren Insulinschub hervor und riskiert
eine höhere Fetteinlagerung. Konzentrieren Sie sich in der zweiten Tageshälfte
auf Gemüse als Kohlenhydrat- und Ballaststoffquelle sowie selbstverständlich
auf Protein.
FAZIT | Grundsätzlich geht es bei der Körperfettkontrolle um das Verhältnis
von Kalorienaufnahme zu Kalorienverbrauch. Doch die besonderen Bedürfnisse
Diät haltender Bodybuilder erfordern die Berücksichtigung zusätzlicher
Faktoren. Die Verringerung der Kalorienzufuhr ist nur der erste Schritt. Als
Nächstes müssen Sie Ihre Zufuhr von Protein und niedrig-glykämischen
Kohlenhydraten erhöhen, während Sie gleichzeitig weniger diätetisches
Fett konsumieren. Außerdem sollten Sie vor allem in der ersten Tageshälfte
auf häufigere Mahlzeiten setzen, um ein hormonelles Umfeld zu schaffen,
das es Ihnen erlaubt, effektiv Körperfett abzubauen und gleichzeitig Ihre
hart erarbeitete Muskelmasse zu bewahren. FLEX
Trainings- und Ernährungsratgeber (u.a. „Champion Bodybuilding” und „Everything
You Need to Know about Fat Loss”) von Chris Aceto können unter www.nutramedia.com
bestellt werden.
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