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DER WOW-FAKTOR
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DER WOW-FAKTOR
VON JULIAN SCHMIDT
Fakhri Mubarak enthüllt das Ehrfurcht einflößende Trainingsprogramm,
das ihn in die Profi-Liga katapultiert hat
Wenn, wie Goethe sagte, das Schaudern der Ehrfurcht des Menschen höchstes
Gut ist, dann kam Fakhri Mubarak mit besten Voraussetzungen auf die Welt. „Wow!" ist
Mubaraks Standardantwort auf fast alles, was ihm widerfährt, so dass man
sich lebhaft ausmalen kann, wie außer sich vor Begeisterung er war, als
er bei den NPC USA Championships 2005 den Sieg im Leicht-Schwergewicht holte
und obendrein Zweiter in der Gesamtauswertung wurde, was ihm den Profi-Status
einbrachte. „Ich kann es noch immer nicht glauben", sagt er und schnappt
nach Luft. „Vor ein paar Monaten war der Gedanke, Profi zu sein, unvorstellbar
für mich. Es ist absolut verrückt. Selbst heute wache ich morgens auf
und ... wow!"
Mubaraks Auftritt bei den USA gab Anlass zu Ausrufen, die seinem eigenen „Wow!" ähnelten,
denn er präsentierte einen Körper der Zukunft: eine ausgeprägte
V-Form, detaillierte Quadrizeps, tektonische Waden, ein Rücken wie ein Doppelspint
und prononcierte, aber nicht übertriebene Linien. Und er hat sich in nur
fünf Jahren – für Bodybuilding-Verhältnisse ein Wimpernschlag – in
diese Form gebracht.
Seine Katalysatoren waren schnörkelloses Gewichtstraining und ein Leben
in Brooklyn, New York. Mit 19 ging er im Studio ein und aus – Bodybuilding
war dabei nicht sein Ziel. „Ich ging nicht hin, um einen Waschbrettbauch
zu bekommen", erklärt Mubarak. „Sie wissen, wie Jungs sind:
Wir wollten einfach nur Gewichte heben und danach Pizza essen."
Noch weniger war Bodybuilding ein Zwang für ihn. Familie, Universität
und seine Frau Sandra standen immer an erster Stelle – hier lag seine Verantwortung
und sie lehrte Mubarak, wie kostbar ein Erfolg ist, den man sich im Schweiße
seines Angesichts verdient hat. Seine Verwurzelung in der realen Welt und die
resultierende Charakterfestigkeit halfen ihm, eine schwere Lungenentzündung
zu überstehen, an der er 2000 – er wollte gerade wieder mit Bodybuilding
anfangen – erkrankte und die um ein Haar tödlich verlaufen wäre.
„Meine Frau und ich gingen am Abend zu Bett, und plötzlich konnte
ich nicht
atmen", erinnert er sich. „Ich hatte ein Gefühl, als würde
ich ertrinken." Eine Stunde später bemerkte Sandra, dass ich blau
anlief, und fuhr mich in die Klinik." Zwei Stunden später war Mubarak
in ein acht Tage dauerndes Koma gefallen. Als seine Lungen versagten, erhielt
er die letzte Ölung.
Wie und warum kam es zu der Krise? „Ich war mein Leben lang nicht krank
gewesen", sagt er. „Ich gehörte zu den Kindern, die, wenn jemand
erzählte, dass er die Grippe hatte, fragten: `Was bedeutet das? Ist das
dasselbe wie eine Erkältung?´" Ich weiß nicht, wie es
dazu kam. Die Ärzte schafften es nicht, mein Virus zu identifizieren, aber
ich wurde wieder gesund – Gott sei Dank."
Nach seiner Genesung fing er an, sich besser zu ernähren und härter
zu trainieren. Zwei Jahre später gewann er die Atlantic State Championships
2002. Noch drei Jahre später ist er Profi.
Was motiviert ihn? Weder Angst noch Ego, vielmehr die gut gelaunte Unterstützung
von Freunden und Familie. „Es war die Idee meiner Frau, dass ich an der
USA teilnehme, und es gab andere, die sich für mich ins Zeug legten",
erzählt Mubarak. „Für mich selbst könnte ich das nicht tun;
ich kann es nur tun, um meine Familie und meine Freunde stolz zu machen. Das
auszudrücken, ist eine zutiefst emotionale Sache für mich. Leute rufen
mich an und sagen: `Herzlichen Glückwunsch, ich kann nicht glauben, dass
du es geschafft hast´ oder `Ich wusste, du würdest es schaffen´.
Du hörst an ihrer Stimme, dass sie es ehrlich meinen, und das bedeutet mir
mehr als alles andere."
Jetzt steht Mubarak vor der nicht einfachen Aufgabe, sich in der Profi-Liga mit
ihrem zu-viel-Masse-/nicht-genug-Masse-Zwiespalt zu behaupten. „Da draußen
gibt es ein paar richtige Monster. Wenn ich raus gehe, bewundern die Leute oft
meine Muskeln, aber ich korrigiere sie und sage: `Ich bin nur ein großer
Fisch in einem kleinen Teich.´" |
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„Sobald du nationale Wettkämpfe bestreitest, triffst du auf Kerle
... wow!
Du fährst nach Kalifornien, und dort sind selbst Kerle, die keine Wettkämpfe
machen ... wow! Es ist einfach unvorstellbar, wie riesig manche sind. Bei 1,65
Meter Körpergröße besitze ich nicht die Gene für einen Masse-Freak – ich
muss den Erfolg über meine Konditionierung schaffen. Ich muss überall
ein bisschen Masse zulegen, um auf Profi-Ebene eine Chance zu haben, aber ich
werde graduell vorgehen und sehen, wie weit ich es treiben kann, ohne meine Symmetrie
zu verlieren."
„Im Moment reite ich die Welle und will das auch weiter tun. Ich möchte
das
Wasser testen, also nehme ich nächstes Jahr an einem Profi-Wettkampf teil,
vielleicht am Ironman, weil ich ein großer Fan des Sports bin und die vielen
Superstars leibhaftig sehen will. Ich gehe noch immer zu Wettkämpfen und
staune: `Wow! Das ist Dexter Jackson´ und `Wow! Das ist Jay Cutler´."
AN DIE GRENZEN
„Chris Lund hat mich beim Fotoshooting wirklich extrem geschlaucht. Er
sagte: `Fakhri, du bist ein ziemlich starker Knabe, aber ich bin mir nicht sicher,
wie
stark du genau bist." Wir machten Kurzhantelcurls mit 30ern, und Chris
meinte: `Weißt du, Phil Heath hat neulich 40er verwendet. Nimm mal die
40er.´ Also nahm ich die 40er, doch Chris gab keine Ruhe: `Weißt
du, was? Mir sind bisher nur zwei Bodybuilder begegnet, die Curls mit 50-kg-Kurzhanteln
schafften: Kevin Levrone und Ronnie Coleman.´"
„Kevin Levrone und Ronnie Coleman ... du liebe Güte denke ich und
sage zu
Chris: `Reich mir die 50er´. Und keine Ahnung wie, aber ich brachte sie
hoch. So ist das mit Chris Lund. Sein Ruf eilt ihm ja voraus, weshalb ich am
Morgen vor dem Fotoshooting auf ein sehr, sehr, sehr großes Frühstück
Wert gelegt hatte. Es war ... wow! ... eine Wahnsinns-Erfahrung."
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Fakhri Mubarak
MONTAG | Oberschenkel und Bauch
Als Erstes steht Beinstrecken auf dem Programm – vier Arbeitssätze,
die auch zum Aufwärmen dienen; danach Kniebeugen mit bis zu 300 kg, gefolgt
von Frontkniebeugen und Beinpressen. Was diese letzte Übung betrifft, haben
Mubarak und seine Trainingspartner Joel Pome und Nasir Fadir ihre Kreativität
bemüht und eine geradezu teuflische Abwandlung ersonnen. Einen Namen gaben
sie ihr auch gleich: „New York City Bad Guy Workout".
Mubarak erklärt: „Wir beladen die Beinpresse mit allem, was wir auftreiben
können, inklusive Küchenspüle und Geschirrspülautomat. Dann
machen wir 30 Wiederholungen – irgendwie. Es spielt keine Rolle, ob wir
fünf Minuten dafür brauchen – wir müssen die 30 Wh bewältigen.
Für diejenigen, die mit uns trainieren wollen, ist das das Initiationsritual,
das sie entweder packen müssen oder ihre Chance verpasst haben. Sie kommen
und erklären: „Wir möchten mit euch Jungs trainieren".
Unsere Antwort: „Okay, meldet euch am Beintag bei uns."
DIENSTAG | Brust, Bizeps und Waden
Mubarak versucht, den Umfang seiner oberen Brust zu vergrößern. Seine
erste Übung ist daher schweres Schrägbankdrücken in der Multipresse,
wobei er sein Gewicht pyramidisch auf 225 kg erhöht. Danach folgt Flachbank-Kurzhanteldrücken
mit 90 kg.
Seine nächste Übung bezeichnet er als „Fliegende/Drücken
auf der Schrägbank". „Meine Arme sind vertikal und parallel
gestreckt, die Kurzhanteln berühren sich. Dann senke ich sie gerade vor
meine obere Brust ab, halte die Kurzhanteln eng zusammen und drücke sie
wieder nach oben, während sich die Kurzhanteln weiterhin berühren,
für vier oder fünf Sätze." Daran schließt er vier
oder fünf Sätze reguläre Schrägbank-Fliegende an.
„Dieses Programm fruchtet offenbar, denn meine obere Brust hat sich zu
einer meiner
besseren Körperpartien entwickelt", sagt er.
Seine Bizeps befeuert er mit einem 20-Sätze-Blitzkrieg aus Curls mit gerader
Hantel, abwechselnden Kurzhantelcurls auf der Schrägbank oder im Sitzen
(von Woche zu Woche abwechseln), einarmigen vertikalen Kurzhantel-Scottcurls,
Konzentrationscurls, sitzenden SZ-Hantel-Curls und Hammercurls.
MITTWOCH | Rücken, Trizeps und Bauch
Mubaraks Rücken gehört zu seinen Markenzeichen. Seine Entwicklung ist
auf eine effektive Kombination aus schweren Verbundübungen und der Herausarbeitung
aller Details zurückzuführen. Erst dehnt er mit Latziehen zur Brust
seine Rückenmuskeln und pumpt sie auf, bevor er direkt mit schwerem vorgebeugtem
Rudern weitermacht. Als Nächstes folgt Kurzhantelrudern auf einer Schrägbank:
In der einen Woche zieht er das Gewicht höher in Richtung Brust, um seinen
oberen Rücken zu betonen; in der nächsten Woche zieht er es tiefer
und dreht die Kurzhanteln nach innen zur Betonung seines Weihnachtsbaums.
Beim anschließenden Latziehen mit Triangelgriff zieht er das Gewicht nicht
bis zur oberen Brust, sondern bis ganz nach unten zum Kniepolster, während
er auf dem Sitz weit nach vorn rutscht – das bewirkt eine vollständige
Kontraktion seiner unteren Latissimus und der inneren Rückenbereiche. Das
Schlusslicht bilden viele Sätze sehr schweres Kreuzheben oder partielles
Kreuzheben in der Multipresse.
Nach einer minimalen Pause widmet er sich seinen Trizeps: mit French Presses,
einarmigem Kurzhantelstrecken diagonal vor dem Körper, sitzendem Kurzhantelstrecken,
Kurzhantel-Kickbacks und Trizepsdrücken am Seil bzw. mit gerader Hantel.
DONNERSTAG | Schultern und Waden
„Meiner Meinung nach zählen meine Schulterkappen zu meinen Schwachpunkten,
weshalb ich sie mit insgesamt 28 oder 29 Sätzen extrem hart in die Mangel
nehmen. Mit schwerem Frontdrücken in der Multipresse lege ich los, kombiniere
danach sitzendes Arnold-Kurzhanteldrücken mit Kurzhantel-Seitheben zum Supersatz.
Danach folgen reverse Fliegende an der Butterfly-Station und aufrechtes Rudern
im Supersatz mit Schulterheben", sagt Mubarak. „Das nenne ich nicht Übertraining,
das nenne ich tun, was notwendig ist."
Wenn er am Donnerstag das Gefühl hat, zu erschöpft zu sein, um maximale
Energie in sein Schultertraining stecken zu können, macht er einen Tag Pause
und knöpft sich seine Schultern erst am Freitag vor.
SAMSTAG | Brust und Bizeps
Am Wochenende schenkt Mubarak seine Aufmerksamkeit erneut seiner Brust, absolviert
12 Sätze auf der Schrägbank. Sind die abgehakt, wiederholt er sein
Bizepstraining.
Man hört den Seufzer der Erleichterung in seiner Stimme, wenn er sagt: „Der
Sonntag gehört ausschließlich meiner Familie. Meine Mutter nimmt mich
mit in die Kirche, meistens in die Messe um 8.30 Uhr. Danach essen wir und fahren
zu ihr nach Hause. Das ist ziemlich cool, denn der Großteil meiner Familie
lebt in Florida. Hier in Brooklyn sind nur meine Mutter, meine Stiefmutter, meine
Schwester, meine zwei Brüder, meine Frau und meine zwei Hunde. Danach verbringe
ich Zeit mit meiner Frau; am frühen Abend gehen wir zum Essen in ein Lokal,
meist in die Cheesecake Factory oder zu Chili´s."
Plötzlich hält er inne: „Nicht, dass Sie das in den falschen
Hals kriegen. Vor der USA habe ich einmal, nur ein einziges Mal geschummelt – am
Memorial Day. Ansonsten mache ich jede Tag zwei Stunden Cardiotraining. Obwohl
ich 5000-6000 Kalorien am Tag verzehre und 450 Gramm Protein, kann ich Ihnen
ehrlich versichern, dass ich niemals schummele – bis auf diesen einen Tag.
Ich reiße mir den Hintern auf – nur so kann ich einen guten Körper
präsentieren -, und wenn ich in einem Wettkampf schlecht abschneide, dann
nicht, weil man ungerecht zu mir war, sondern weil ich mir den Hintern noch mehr
hätte aufreißen müssen."
„Aus Respekt vor der Unterstützung durch meine Freunde und Familie
und die
Opfer, die sie für mich bringen, muss ich meine Intensität hochhalten.
Das schaffe ich, indem mir ständig die Worte von Craig Titus durch den Kopf
gehen. Er sagte, sein Antrieb sei die Furcht, nicht zum Vergleich herausgerufen
zu werden. Diese Furcht treibt auch mich. Wenn ich es nicht verdiene, dass man
mich herausruft, dann sollte ich auch nicht herausgerufen werden. Das würde
ich nicht ertragen, und deshalb muss ich hart arbeiten. Ich muss verdammt noch
mal hart arbeiten. FLEX
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