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SCHULTERN DER SUPERLATIVE
VON SHAWN PERINE
Ah, Deltas. Deltas, die Eindruck schinden. Deltas, die so
verdammt
breit sind, dass Sie sich zur Seite drehen müssen, um durch den Türrahmen
zu passen. Obwohl dieses Ideal nur für genetische Glückspilze realisierbar,
für die meisten von uns dagegen unerreichbar sein dürfte, handelt es
sich doch um ein Ziel, das zu verfolgen sich lohnt. Denn je breiter die Schultern,
umso schmaler wirkt im Vergleich die Taille und erzeugt somit den wichtigsten
Buchstaben im Alphabet aller Bodybuilder: das V für V-Form.
Zwei Profis, deren V-Form aufs i-Tüpfelchen stimmt, sind Garrett Downing
und Dave Henry. Downing, der bei der Toronto Pro Invitational letztes Jahr einen
soliden fünften Platz belegte, und Henry, der mit seinem Mittelgewichtssieg
bei den NPC Nationals 2002 Profi-Status erwarb (und bei der Toronto Pro Invitational
auf Platz 7 kam), lassen am liebsten ihren Körper für sich sprechen.
Die beiden A-Klasse-Athleten haben sich bereit erklärt, FLEX-Lesern ihre
effektivsten Schultertrainingsmethoden zu verraten. Mit deren Hilfe sind Sie
schon bald auf dem besten Weg, selbst gigantische Schultern spazieren zu tragen.
ALLER ANFANG IST GUT
DAVE HENRY: „Ich beginne mein Schultertraining lieber mit Seitheben als
mit einer Drückbewegung. Das gibt mir die Möglichkeit, meine Schultern
vorzuerschöpfen, bevor ich zu den schwereren Drückbewegungen übergehe.
Ich führe drei Pyramidensätze aus, steigere meine Gewichte die ganze
Zeit. Nach einem leichteren Aufwärmsätz mit zum Beispiel 10-kg-Kurzhanteln,
starte ich meinen Pyramidensatz. Den Anfang bilden 15-kg-Kurzhanteln und fünf
Wiederholungen, danach schnappe ich mir 17,5-kg-Kurzhanteln und absolviere fünf
Wh; es folgen fünf Wh mit 20-kg-Kurzhanteln. Den nächsten Pyramidensatz
leite ich mit 17,5-kg-Kurzhanteln ein, bevor ich mit 20-kg- und 22,5-kg-Kurzhanteln
fortfahre – ich führe mit allen Gewichten jeweils fünf Wh aus.
Im letzten Pyramidensatz steigere ich mich von 20- auf 25-kg-Kurzhanteln.“
GARRETT DOWNING „Üblicherweise fange ich mit einer Drückbewegung
an, doch wenn ich das Gefühl habe, dass meine Schultern groggy sind, mache
ich es ähnlich wie Dave, indem ich eine Form des Seithebens – ob mit
Kurzhanteln oder am Kabel – oder aufrechtes Rudern zur Vorerschöpfung
ausführe. Bis meine Drückbewegung an der Reihe ist, muss ich nicht
mehr ganz so schwere Gewichte wählen, um die Bewegung intensiv zu spüren.
Klar ist es wichtig, schwer zu trainieren, aber noch wichtiger ist eine saubere
Technik. Die saubere Ausführung darf auf gar keinen Fall leiden.“
DRÜCKENDE ANGELEGENHEIT
GARRETT: „Meistens wechsele ich beim Drücken zwischen Langhantel und
Kurzhanteln. Viel hängt davon ab, wie ich mich an einem bestimmten Tag fühle.
Ich kann gar nicht oft genug betonen, wie wichtig es ist, zu lernen, auf den
eigenen Körper zu hören und ihn das Training teilweise steuern zu lassen.
An manchen Tagen bevorzugen Sie vielleicht den Bewegungsradius, den Kurzhanteln
gewähren, an anderen Tagen haben Sie Lust auf die Langhantel.“
DAVE: „Statt mit Kurzhanteln oder mit Langhantel zu trainieren, mache ich
in der Regel Nackendrücken in der Multipresse oder sitzendes Drücken
an einer Hammer Strength Maschine. Ich habe keinen Trainingspartner, so dass
die Benutzung von Kurzhanteln, die schwer genug wären, um meine Schultern
zu stimulieren, problematisch für mich ist. Hätte ich jemanden wie
Garrett als Trainingspartner, würde ich mit Sicherheit häufiger Kurzhanteln
benutzen. Für dieses Foto ließ Chris [Lund] uns 60-kg-Kurzhanteln
drücken, und die Dinger waren verdammt schwer, sage ich Ihnen!“
GARRETT: „Gerade weil es nur noch zwei Wochen bis zur Toronto Pro 2005
waren. Normalerweise würde ich so kurz vor einem Wettkampf nicht so schwer
trainieren, mich mit 40- oder 45-kg-Kurzhanteln begnügen. Aber wir haben
uns an dem Tag wirklich arg ins Zeug gelegt.“
KOPF-MUSKEL-VERBINDUNG
GARRETT: „Im Schultertraining kommt es besonders darauf an, dass man fühlt,
was man macht, weil das Schultergelenk so leicht zu Verletzungen neigt. Es gibt
Tage, wo ich alles, was ich tue, direkt im Bauch des Muskels fühle. Leider
gibt es andere Male, wo meine Kopf- Muskel-Verbindung schlechter ist und ich
meine Gewichte leichter halten muss, um sicherzugehen, bei der Übungsausführung
nicht zu patzen. Das ist besser, als wenn ich mich verletze.“
DAVE: „Eine Schulterverletzung ist echt übel, Mann. Schultern, Rücken
und Knie – hier sollte man sich auf keinen Fall eine Verletzung einhandeln,
weil das Gift für die Fortschritte ist. Man sollte unbedingt auf seinen
Körper hören. Wenn er an einem Tag keine Lust auf eine bestimmte Übung
hat, ihn zu nichts zwingen, um keine Verletzung zu riskieren. Wenn Sie im Job
oder zu Hause Probleme haben und mit dem Kopf nicht ganz bei der Sache sind, überlegen
Sie sich, im Studio etwas anderes zu machen. Das Training sollte stets fokussiert
und produktiv sein.“
VORDERE DELTAS IGNORIEREN
DAVE: „Für die vorderen Deltas sollte man keine besonderen Übungen
machen, weil sie bereits sehr stark am Brusttraining beteiligt sind. Eine Kritik:
`Äh, deine vorderen Deltas könnten ein bisschen mehr Training vertragen´ hört
man fast nie. Meistens sind die seitlichen und hinteren Deltas schlechter entwickelt
als die Schultervorderseite.“
GARRETT: „Ich stimme DH 100%ig zu. Eine Isolation der vorderen Deltas ist
selten notwendig. Sie werden durch all die Drückübungen für die
Brust und sogar bei Fliegenden ausreichend mittrainiert.“
HINTERE DELTAS GEZIELT ANGREIFEN
GARRETT: „Ich trainiere meine hinteren Deltas fast immer an letzter Stelle
meines Schultertrainings. Vorgebeugtes Seitheben führe ich überwiegend
mit Kurzhanteln, hin und wieder aber auch an der Kabelstation aus.“
DAVE: „Kabel-Seitheben für die hinteren Deltas führe ich oft
mit einem Arm statt im Überkreuz-Stil aus. Ich stelle mich nicht frontal,
sondern seitlich zur Kabelstation und ziehe
das Kabel quer vor meinen Körper, als würde ich am Seil eines Rasenmähers
ziehen.“
KEINE SELBSTÜBERSCHÄTZUNG
GARRETT: „Haltet euch an die Basis! Ich sehe so viele junge Burschen, die
ein Buch von Arnold oder einer anderen Bodybuilding-Legende gelesen haben und
jede Übung darin ausprobieren. Sie fragen mich und Derik [Farnsworth, Downings
Trainingspartner], wie viele Sätze wir ausführen. Wir antworten, ungefähr
neun bis 12 Sätze, und dann erzählen sie uns, sie würden 20 oder
25 Sätze machen, in der Erwartung, dass uns das beeindruckt. Wir erklären
ihnen daraufhin, dass sie wahrscheinlich übertrainieren. Nur weil man in
einem Buch oder Magazin ein Sortiment an Übungen sieht, muss man diese noch
lange nicht alle ausführen. Finden Sie heraus, welche Übungen für
Sie am besten funktionieren, und an die halten Sie sich dann.“
DAVE: „Manche Leute sind für bestimmte Übungen auch einfach nicht
gebaut. Ich zum Beispiel kann kein Kreuzheben vom Boden aus machen. Habe ich
jahrelang probiert und dann feststellen müssen, dass ich einfach nicht damit
zurechtkomme. Stattdessen führe ich Kreuzheben im Power Rack aus, und meinem
Rücken geht es seither blendend. Worauf ich hinaus will: Wenn Sie versuchen,
etwas zu machen, wofür Ihr Körper nicht gebaut ist, riskieren Sie eine
Verletzung.“
AUF ANHIEB EIN GUTER DRAHT
GARRETT: „Ich hatte eine prima Zeit mit DH. Ich denke, wir hatten auf Anhieb
einen so guten Draht zueinander, weil wir beide beim Militär sind und deshalb über
eine ähnliche Einstellung verfügen. Ich erschien früher als verlangt
zum Fotoshooting, und DH war ebenfalls früher dran, so dass Chris [Lund]
sich nicht die Mühe machen und Suchtrupps nach uns ausschicken musste. Und
es war großartig, Fotos mit jemandem zu machen, der kein Riesen-Ego hat,
dessen Selbstbewusstsein nicht größer als sein Körper ist.“
DAVE: „Vor diesem Fotoshooting hatten Garrett und ich kaum miteinander
geredet. Wenn wir uns bei einem Wettkampf begegneten, begrüßten uns
mit `Hallo, wie geht´s?´, aber das war´s dann auch schon. Bevor
ich selbst Profi wurde, war Garrett einer der Athleten, über die ich in
den Magazinen las – und einer, den ich sehr bewunderte. Als der Anruf kam
und sich die Gelegenheit zu einem gemeinsamen Fotoshooting bot, war ich sofort
hellauf begeistert. Es war ein Privileg und eine Ehre für mich, mit ihm
zu arbeiten. Und ich liebe die Herausforderung, zu versuchen, mit einem Profi-Kollegen
mitzuhalten.“
GARRETT: „Das Mithalten ist dir bestens gelungen, DH.“ FLEX
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