
Bereits Ende der 80er Jahre begann ich mich für das Bodybuilding zu interessieren. Ausschlaggebend war dabei die Sportrevue, die mir schon vor dem Ende der damaligen DDR in die Hände fiel. Ungläubig und fasziniert schaute ich mir die Bilder der Athleten an, die an den Landesmeisterschaften teilnahmen. Vor allem die Muskelhärte der Athleten hinterließ bei mir einen bleibenden Eindruck. Das ist dann wohl auch eines meiner Markenzeichen geworden, wenn ich das so sagen darf.
Nachdem ich von 1995 bis 2000 an nationalen Meisterschaften teilgenommen hatte und 1999 den Deutschen Meistertitel gewann, war es auf Grund meiner Weiterentwicklung eine logische Schlussfolgerung, mich ab 2001 auch bei internationalen Wettkämpfen zu empfehlen und zu etablieren. Dies gelang mir über die nächsten Jahre eindrucksvoll mit einigen Medaillen. Gekrönt von meinem Europameister-, Weltmeister - und WM-Gesamtsiegertitel.
Nach dem Gewinn des Europameistertitels 2009 in Bratislava fasste ich durch die gewonnene Selbstsicherheit den Entschluss, meinen Erfolg bei der Weltmeisterschaft 2009 in Como/Italien fortzusetzen. Nach 2003 und 2007 war dies bereits meine dritte Vorbereitung auf eine Weltmeisterschaft und dieses Mal wollte ich mich nicht mehr, wie in den vergangenen Jahren, mit einem 3. Platz zufrieden geben. Mein bis dato bestes Gesamtpaket sollte dazu beitragen. Dies resultierte aus einigen Trainingsumstellungen und einer erweiterten Supplementation durch meinen neuen Sponsor, Best Body Nutrition.
Die Vorbereitung auf die Weltmeisterschaft verlief relativ nahtlos nach der Europameisterschaft. Ich gönnte mir ca. 6 Wochen eine geringfügige Kalorienerhöhung, um dann wie gewohnt meine Wettkampfdiät vom Frühjahr weiter zu verfolgen. Im Grunde legte ich mein Augenmerk darauf, der vorhandenen Muskulatur eine noch bessere Qualität zu verleihen und die Körperfettreduzierung noch einmal zu forcieren. Das war eine schwierige Angelegenheit. Jeder, der die Frühjahrs- und Herbstsaison absolviert hat, weiß, wie schwierig es ist, ein weiteres Mal in Topform anzutreten. Doch die WM-Qualifikation zeigte, dass ich auf dem richtigen Weg war und auch zur anvisierten WM eine gute Form bringen würde. Ein großer Vorteil für mich war die Tatsache, dass ich mit meinem Mann Roland per PKW die Reise nach Italien antreten konnte. Das hieß für mich weniger Stress und dass ich alle Mahlzeiten der nächsten Tage in der Kühlbox transportieren konnte. So war schon mal gesichert, dass sich meine Form durch unvorhersehbares Hotelessen nicht verschlechtern konnte. Die Reise nach Italien war sehr angenehm. Ich freute mich nicht nur auf die beeindruckende Location des Kongresszentrums am Comer See, sondern auch auf unser Nationalteam, da einige mir mit den Jahren lieb gewonnene Athleten und Kampfrichter dabei waren.
Das Wiegen am Anreisetag und die Vorwahl am darauf folgenden Tag waren wie gewohnt spannend, da sich erfahrungsgemäß relativ schnell die Favoriten ausmachen ließen. Bei den ersten Vergleichen dabei zu sein, ist bekanntlich ein gutes Zeichen. Da ich mit meiner Form zufrieden war und Jens Spitzbart als mein „Farbaufträger“ und Uta Spitzbart-Köhler als meine „Visagistin“ und selbst Teilnehmerin, einen super Job machten, war ich mir ziemlich sicher, die Top 5 zu erreichen. So sollte es auch kommen und ich erfuhr am Abend der Vorwahl, dass ich am nächsten Tag im Finale stehen durfte. Jetzt wollte ich mindestens um Platz 3 kämpfen, das musste mir einfach gelingen. Dass sich das Finale so spannend wie noch nie gestaltete, lag daran, dass es tatsächlich drei deutsche Athletinnen ins Finale schafften. Das allein war schon ein Riesenerfolg für unsere Mannschaft. Nachdem die Posingrunde und die Vergleiche abgeschlossen waren, wurde es noch einmal sehr aufregend. Als die Platzierungen bekannt gegeben wurden, stieg meine Anspannung ins Unermessliche. Nach Bekanntgabe von Platz 3, wusste ich, dass ich mindestens Vize-Weltmeisterin bin. Aber es sollte doch noch eine Steigerung geben. Nach Bekanntgabe der Vize-Weltmeisterin wusste ich, dass ich es endlich geschafft habe und ich konnte allen Emotionen freien Lauf lassen. Was für ein erhebendes Gefühl, die beste Amateur Bodybuilderin der Welt zu sein. Dieses unfassbare Gefühl werde ich immer in mir tragen, wenn ich an dieses große Ereignis zurück denke. Als Weltmeisterin im Schwergewicht, durfte ich nun noch um den Gesamtsieg kämpfen. Dieser ging allerdings vorerst an die brasilianische Athletin, die mit einer unglaublichen Muskelhärte sehr dominant war. Das Ergebnis war für mich völlig in Ordnung. Viel zu sehr freute ich mich über den Weltmeistertitel im Schwergewicht. Wenige Tage nach meinem 40-ten Geburtstag erreichte mich die Nachricht, dass ich nun auch Gesamtsiegerin der Weltmeisterschaft bin, da die brasilianische Athletin disqualifiziert wurde. Schade, dass mir diese Ehre nicht am Tag der Weltmeisterschaft zuteil wurde und ich zu meinem Bedauern auch auf die verdiente Goldmedaille verzichten muss. Dennoch freue ich mich, die zweite Frau in der Geschichte des DBFV e.V. zu sein, die den Gesamtsieg bei einer WM errungen hat und die dritte deutsche Frau, die die Europameisterschaft und Weltmeisterschaft im gleichen Jahr gewonnen hat.
Für die Junioren/Senioren WM Bialystok/Polen vier Wochen nach Como musste ich noch einmal all meine Reserven aktivieren. Den Diätplan behielt ich bei, lediglich das Cardio Training steigerte ich noch etwas. Durch mein Training über Jahrzehnte hinweg habe ich eine sehr verfestigte Muskulatur, die auch durch lange Diätphasen mit der entsprechenden Supplementation nicht merklich an Qualität verliert. Das ist ein großer Vorteil für mich, um eine so lange Wettkampfsaison physisch und psychisch gut durchzustehen.
Da ich bereits im Jahr 2005 an der Masters EM in Bialystok teilgenommen hatte, war mir der Austragungsort bekannt und ich wusste, was seitens der örtlichen Begebenheiten auf mich zukam. Mit der amtierenden Masters Weltmeisterin, Violet Schwarz hatte ich die größte Konkurrenz aus dem eigenen Land. Da ich die Qualifikation nicht für mich entscheiden konnte, durfte ich dennoch im B-Team nach Polen reisen. Wieder mit dabei, meine Vertrauten Jens und Uta, die mir auch dieses Mal hinter der Bühne bei allen Vorbereitungen für eine optimale Präsentation behilflich waren. Mit einer gewissen Routine und Freude am Wettkampfgeschehen ging ich in die Vorwahl, die sich schon fast als Duell zwischen Violet, die natürlich ihren Titel verteidigen wollte, und mir herausstellen sollte. So ging der Wettkampf dann letztendlich auch zu Violets Gunsten aus. Was für mich völlig in Ordnung war. Gegen eine erfolgreiche Athletin wie sie das Nachsehen zu haben, ist sicherlich keine Schande. Für mich war der Gewinn der Weltmeisterschaft das Non Plus Ultra, alles andere wäre eine schöne Zugabe gewesen. Mit meiner Silbermedaille konnte ich auch einen Teil zu dem grandiosen Abschneiden unserer Nationalmannschaft beitragen, die in der Länderwertung den 2. Platz erreichte. Alles in allem war es das erfolgreichste Jahr meiner bisherigen Wettkampfkarriere und ist sicherlich nicht mehr zu toppen. Nicht zuletzt habe ich das meiner Hartnäckigkeit und dem Glauben an mich selbst zu verdanken, dass ich mich nicht von der einen oder anderen knappen Platzierung der vergangenen Jahre habe entmutigen lassen. Aber wie es in vielen Bereichen des Lebens so ist, wird eine außergewöhnliche Leistung nur möglich mit der Unterstützung der Menschen, die uns am nächsten stehen. Das ist bei mir, ohne Frage, mein Mann Roland, der mit seiner Rücksichtnahme und Selbstlosigkeit stets meine Vorhaben tolerierte und unterstützte. Unterstützung bekam ich auch von meinem Sponsor „Best Body Nutrition“, die großes Vertrauen in mich setzten und letztendlich nicht enttäuscht wurden. Danke besonders an Andreas Arzt, dessen Herz noch für uns Bodybuilder schlägt. Erwähnen möchte ich aber auch Prof. Dr. Martina Herget, die immer ein offenes Ohr hat und mit ihrer Fachkompetenz von unschätzbarem Wert ist. Danke sagen möchte ich aber auch Michael Preuße, meinem Trainingspartner, lieben Freunden wie Andrea und Steffen, Uta und Jens aber auch Matthias Kretschmar (Matze), dem ich meinen WM Titel widmen möchte, der krankheitsbedingt den Kampf seines Lebens kämpft.
Als Resümee möchte ich abschließend festhalten, dass sich harte, ehrliche Arbeit und Geduld auszahlt. Der Bodybuilding Lifestyle war und ist immer eine zuverlässige Konstante in meinem Leben. Ich profitiere von der Disziplin und Beständigkeit, die ich mir im Laufe der Jahre angeeignet habe, in allen Bereichen meines Lebens. Denn so lange man Freude an dem hat, was man tut und sich selbst keine Grenzen auferlegt, kann man alle Ziele erreichen. Man sollte sich selbst nicht zu wichtig nehmen und Familie und Freunde auch in der Diätphase nicht vernachlässigen. Sicher ist die Leidensfähigkeit bei jedem Menschen anders, aber man kann jeden Tag erneut daran arbeiten. FLEX
Zusätzliche Bilder


















